Bischof Kräutler: Papst entschied wegen Druck gegen "viri probati"
Der aus Österreich stammende emeritierte Amazonas-Bischof Erwin Kräutler ist davon überzeugt, dass Papst Franziskus sich aufgrund von Druck nicht getraut hat, bewährte verheiratete Männer als "viri probati" zur Priesterweihe zuzulassen. In seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia" (2020) habe das Kirchenoberhaupt verschiedene Visionen formuliert, etwa zur sozialen Gerechtigkeit, zur Ökologie und zur Kirche – "und bis zur kirchlichen Vision waren wir alle happy", sagte der emeritierte Bischof von Xingu (Brasilien) im Podcast "Laut+Leis" (Freitag). Auch die kirchliche Vision sei am Anfang "wunderbar" formuliert gewesen. Dort heiße es etwa, dass alles dafür zu tun sei, dass die Menschen im Amazonas-Gebiet die Eucharistie feiern könnten.
"Und dann kam der Bruch", so der emeritierte Bischof. "Da frage ich mich: Wer ist verantwortlich für diesen Bruch? Mir kommt es heute noch vor, wenn ich das lese, dass da eine zweite Hand oder eine dritte Hand oder noch wer dahinter war." Er könne dies aber nicht identifizieren, dazu fehle ihm der Zugang. "Ich glaube immer noch, dass der Papst Franziskus das nicht wollte, aber dass er so unter Druck gesetzt worden ist, dass er psychisch, persönlich nicht mehr anders konnte." Er habe sich dann nicht mehr getraut, die Weihe verheirateter Männer zu Priestern zuzulassen, obwohl er vorher dazu ermuntert hatte, mutige Vorschläge zu machen.
Mit einer Unterschrift rückgängig zu machen
"Wir wollten, dass auch Frauen Zugang zu den Heiligen Weihen haben", beschreibt Kräutler das Anliegen der Amazonas-Bischöfe. Die meisten kleinen Gemeinden würden ohnehin von Frauen geleitet, so der Bischof. Auch die Aufgabe des Pflichtzölibats sei eines der Kernanliegen gewesen. "Bis heute ist es so: Wir Priester gehen von Gemeinde zu Gemeinde. Und das Ideal ist, dass er in der Gemeinde lebt und mit der Gemeinde lebt – ob das ein Mann oder eine Frau ist." Eine Berufung könne eine Frau genauso spüren wie ein Mann. Das seien alles "kirchenrechtliche Entscheidungen, die mit einer Unterschrift rückgängig gemacht werden können", so Kräutler. Die Bischöfe hätten erwartet, dass Papst Franziskus diesen Schritt gehen würde.
Kräutler war von 1981 bis 2015 Prälat der Territorialprälatur Xingu in Brasilien und bereitete die Bischofssynode zu Amazonien im Oktober 2019 vor. Er war zudem Teil des Redaktionsteams, dass die Beschlüsse der Synode zusammengefasst hatte. Mehr als Zwei Drittel der Mitglieder der Synode votierten demnach für eine Zulassung der Priesterweihe sogenannter "viri probati", also verheirateter Männer, die sich in Leben und Glauben bewährt haben. Dieser Schritt sollte den Priestermangel im Amazonas-Gebiet lindern. Papst Franziskus griff das Votum in seiner apostolischen Exhortation "Querida Amazonia" jedoch nicht auf. (cbr)
