Auch Kritik an päpstlicher Reisepolitik

Theologin kritisiert Papst Leo: Kreuzweg als "Bühne für Männlichkeit"

Veröffentlicht am 08.04.2026 um 15:19 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Papst-Symbolik fragwürdig? Medienethikerin Claudia Paganini erkennt in der vatikanischen Kreuzweg-Inszenierung vom Karfreitag eine Machtdemonstration. Warum sie die gerade aktuell problematisch findet.

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Papst Leo XIV., der am Karfreitag allein den Kreuzweg mit einem schweren Holzkreuz bewältigte, zeichnet laut der Medienethikerin Claudia Paganini ein "unerquicklich aktuelles" Bild: Durch die so demonstrierte Stärke werde das Kreuz zur "Bühne für Männlichkeit", schreibt Paganini in der österreichischen Wochenzeitung "Die Furche" (Ausgabe von Donnerstag).

Mit dieser Machtsymbolik stehe der Papst nicht allein da: "Donald Trump, Wladimir Putin, Benjamin Netanjahu: Männer, die sich in ihrer vermeintlichen Grandiosität als letzte Instanz inszenieren, als Leib gewordene Entschlossenheit, als Führer, die mit Härte Ordnung schaffen", zählt sie auf. Das Ergebnis sei allerdings nicht Ordnung, sondern "Leid, Verwüstung und Chaos". Paganini kritisiert: "Wer in einer solchen Zeit religiöse Autorität über den Topos des starken Mannes auflädt, liefert kein Gegengewicht, sondern wiederholt eine gefährliche politische Semantik."

Laut der Medienethikerin sendet die Reisepolitik Papst Leos ähnlich kritikwürdige Signale wie seine Symbolpolitik: "Dass ausgerechnet Monaco als Reiseziel in den Vordergrund rückt, zeugt von mangelndem theologischem Feingefühl", schreibt sie. Laut Paganini wäre ein Besuch in Gaza oder in der Ukraine eine bessere Option gewesen, mit der Chance, "die jesuanische Option für die Leidenden zu verkörpern". Gerade für den von Gott berufenen Nachfolger Petri hält sie das Risiko einer solch gefährlichen Reise für zumutbar. (KNA)