Papst Leo XIV. geht seinen ersten Kreuzweg am Kolosseum
Papst Leo XIV. ist am Karfreitag zum ersten Mal den traditionellen Kreuzweg am römischen Kolosseum gegangen. Der 70-Jährige trug schweigend das schlichte Kreuz durch das mit Fackeln erleuchtete Amphitheater. Tausende Menschen waren seit dem Nachmittag auf den Platz am Forum Romanum geströmt, um an dem stimmungsvollen Ereignis teilzunehmen. Sie waren das Publikum für die mitunter sehr politischen Mediationstexte, die über die 14 Kreuzwegstationen gesprochen wurden.
Verfasst hatte sie in diesem Jahr der Franziskaner Francesco Patton, der lange eine kirchliche Führungsposition im Nahen Osten innehatte. Er ergänzte die Bibeltexte zum Leiden und Sterben Jesu mit Auszügen aus den Schriften seines Ordensgründers, des heiligen Franz von Assisi. Bei den Meditationen stand das menschliche Leid im Mittelpunkt und wurde von Forderungen nach mehr Respekt vor der Menschenwürde ergänzt.
"In Kriegsgebieten niedergemetzelt"
In den Texten wurde erinnert an Menschen, "die etwa während einer Demonstration abgeführt und inhaftiert werden, die deportiert werden aufgrund einer Politik, die kein Mitleid kennt, die auf verzweifelten Reisen der Hoffnung Schiffbruch erleiden, die in Kriegsgebieten niedergemetzelt werden, die in Vernichtungslagern ausgelöscht werden". Sie klagten die Verwüstung der Kriege an, Massaker und Völkermorde, den Zynismus herrischer Menschen und Gleichgültigkeit. Ebenfalls verurteilten sie Missbrauch, Mord, Folter, Vertreibung, Menschenhandel und Armut. Enthalten waren Appelle für mehr Respekt, Mitleid, Mitgefühl, ein neues Gefühl für Scham, und die Kraft, die Würde jedes Menschen zu verteidigen.
"Auch ich trage all dieses Leid im Gebet und möchte alle Menschen guten Willens einladen, gemeinsam diesen Weg zu gehen und zu suchen, wie auch wir Friedensbotschafter sein können", so hatte der Papst zuvor seine Entscheidung begründet, das Kreuz selbst zu tragen. Sein Vorgänger Franziskus (2013-2025) hatte den Kreuzweg zumeist von einem Platz gegenüber dem Kolosseum verfolgt, im Jahr 2022 zum letzten Mal. 2025 nahm er aufgrund einer schweren Lungenerkrankung nicht teil. Am Ostermontag (21. April), drei Tage später, starb er mit 88 Jahren im Vatikan. Der letzte Papst, der das Kreuz selbst getragen hat, war laut Vatikanmedien Johannes Paul II. im Jahr 1994.
Schließlich wird Leo XIV. am Samstagabend die stimmungsvolle Osternacht im Petersdom leiten. In diesem Jahr nähert sich das Fest der Auferstehung Jesu wieder seinem liturgischen Namen an und beginnt um 21 Uhr. Unter Leos Vorgänger hatte der Gottesdienst zuletzt bereits am frühen Abend begonnen. Am Sonntagmorgen um 10 Uhr folgt dann die feierliche Ostermesse auf dem Petersplatz mit dem anschließenden Papstsegen "Urbi et orbi". Vor der Basilika erstreckt sich dann bereits zum 40. Mal ein Blumenmeer aus den Niederlanden. Rund 70.000 Pflanzen werden dafür nach Rom transportiert. (mtr/KNA)
