Papst Leo gewährt neuem chaldäischem Oberhaupt Kirchengemeinschaft

Papst Leo XIV. hat dem neugewählten Patriarchen der chaldäischen Kirche die Kirchengemeinschaft gewährt. In seinem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an Patriarch Paul III. Nona würdigte der Papst die chaldäische Kirche und ihre apostolische Tradition. "Möge der Heilige Geist sie bei der Erfüllung des ihr anvertrauten Auftrags stärken, damit die chaldäische Kirche, reich an ihrer uralten apostolischen Tradition und geprägt vom leuchtenden Zeugnis zahlreicher Märtyrer und Bekenner, die Verkündigung des Evangeliums weiterhin fruchtbar macht, wie sie es mit bewundernswertem missionarischen Geist getan hat, und die kirchliche Gemeinschaft in ihrem eigenen Gebiet und in den Gebieten der immer größer werdenden Diaspora stärkt", heißt es in dem Brief.
Paul III. Nona (58), mit bürgerlichem Namen Emil Shimoun Nona, wurde Mitte April in Rom durch die Synode der chaldäischen Kirche zum Nachfolger des seit 2013 amtierenden Patriarchen Kardinal Louis Raphaël Sako (77) gewählt. Der neue Patriarch war bis zu seiner Wahl seit 2015 Erzbischof von Australien und Neuseeland. Zuvor stand er dem Erzbistum Mossul im Irak vor.
In katholischen Patriarchatskirchen bedarf die Wahl des Oberhaupts durch die Synode keiner Bestätigung durch den Papst. Stattdessen ist der neue Patriarch gehalten, nach seiner Wahl möglichst bald durch einen persönlich unterschriebenen Brief vom Papst die kirchliche Gemeinschaft zu fordern. Bereits mit der Inthronisation unmittelbar nach seiner Wahl hat ein Patriarch alle Rechte seines Amts, er soll aber vor der Gewährung der Gemeinschaft durch den Papst weder die Synode der Bischöfe der Patriarchatskirche einberufen noch Bischöfe weihen.
Überraschender Rücktritt des Vorgängers
Papst Leo XIV. hatte den Rücktritt Sakos einen Monat vor der Wahl des neuen Patriarchen überraschend angenommen. Sako hatte sein Rücktrittsgesuch direkt an den Papst und nicht, wie es auch möglich ist, an die Synode seiner Kirche gerichtet. Am selben Tag akzeptierte der Papst außerdem den Rücktritt des Bischofs der chaldäischen Eparchie zum Apostel Petrus in San Diego (USA), Emmanuel Hanna Challita, dem Unterschlagung und Geldwäsche vorgeworfen werden. Beobachter stellen den Rücktritt Sakos in Zusammenhang mit dem Rücktritt Challitas.
Die chaldäische Kirche ist eine mit Rom in Gemeinschaft stehende katholische Ostkirche des ostsyrischen Ritus. Mit rund 750.000 Gläubigen ist sie eine der wichtigsten christlichen Glaubensgemeinschaften des Nahen Ostens. Als Patriarchatskirche stehen ihr besondere Vorrechte dazu. Dazu gehören neben der freien Wahl des Patriarchen ohne Bestätigung durch den Papst ein Ehrenvorrang unter anderen Bischöfen: Patriarchen, die zu Kardinälen erhoben werden, gehören automatisch der Klasse der Kardinalbischöfe an. Das Patriarchat hat seinen Sitz traditionell in Bagdad, der ehemalige Patriarch Sako hielt sich jedoch oft im kurdischen Siedlungsgebiet im Norden des Iraks auf. Die meisten chaldäischen Christen leben heute außerhalb des Iraks, vor allem in Europa, Nordamerika und Australien. (fxn)