Neues Oberhaupt der chaldäischen Christen kommt aus Sydney

Emil Shimoun Nona (58), Erzbischof von Australien und Neuseeland, ist neues Oberhaupt der chaldäischen Kirche, der größten christlichen Gemeinschaft im Irak. Er wurde zum Nachfolger des seit 2013 amtierenden Patriarchen Kardinal Louis Raphaël Sako (77) gewählt, wie die mit Rom unierte katholische Kirche am Sonntag mitteilte. Nonas Wahl erfolgte während der Synode der Chaldäer in Rom. Als Patriarch wählte er den Namen Paulus III. Nona. Der gebürtige Iraker war ab 2010 Erzbischof von Mossul, 2015 wurde er Erzbischof im australischen Sydney. Er sei bekannt für seinen unermüdlichen Einsatz im Dienst für Gott, den Glauben und die chaldäischen Christen, hieß es. "Wir freuen uns sehr über seine Wahl und hoffen auf seine weitere Führung der Kirche."
Bei einer Audienz am Freitag hatte Papst Leo XIV. die aus dem Irak stammenden Christen zu einem kirchlichen Neuanfang ermutigt. Er würdigte die Chaldäer als eine Kirche, die "Narben der Geschichte trägt". Er erinnerte an Kriege und Verfolgungen, durch die sie gezeichnet sei und die zur Verteilung vieler Gläubiger in der Diaspora im Ausland geführt haben.
Papst: Neues Oberhaupt möge Vater im Glauben sein
Mit Blick auf die anstehende Wahl eines Nachfolgers von Patriarch Sako erklärte Leo XIV., das neue Oberhaupt solle ein Vater im Glauben und ein Zeichen der Gemeinschaft sein. Ausdrücklich forderte er Transparenz in der Vermögensverwaltung sowie Besonnenheit in der öffentlichen Kommunikation. Auf beiden Gebieten hatte es in der Vergangenheit erkennbare Mängel gegeben. Gleichwohl lobte der Papst die Verdienste des zurückgetretenen Patriarchen für seine Gemeinschaft.
Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche. Ihre Wurzeln reichen bis ins erste Jahrhundert. Sie feiert eine eigene Form des Gottesdienstes, erkennt aber den Primat des Papstes an. Das Patriarchat hat seinen Sitz traditionell in Bagdad, der scheidende Patriarch Sako hielt sich jedoch oft im kurdischen Siedlungsgebiet im Norden des Iraks auf. Die meisten chaldäischen Christen leben heute außerhalb des Iraks, vor allem in Europa, Nordamerika und Australien.
Mit Blick auf die Lage in Nahost forderte Leo XIV. volle Religionsfreiheit und Gleichberechtigung für die christliche Minderheit. Krieg verurteilte er als Gotteslästerung. "Kein Interesse kann das Leben der Schwächsten, der Kinder und der Familien wert sein; keine Sache kann vergossenes unschuldiges Blut rechtfertigen", betonte der Papst. (cbr/KNA)