Kretschmann und der Papst: "Und was fragt er mich? Nach Stuttgart 21"
Als der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann Papst Benedikt XVI. bei dessen Deutschlandbesuch am Flughafen empfangen hat, ging es dem Papst um Dinge, die von Ewigkeit zu Ewigkeit reichen – aber nicht so, wie Kretschmann sich das gedacht hatte. Bei seiner Berliner Abschiedsfeier erzählte der scheidende Ministerpräsident von seiner Begegnung mit dem mittlerweile verstorbenen Papst.
Am Flughafen in Lahr (Baden) habe er den Papst begrüßt. "Ich bekam eine kurze Audienz von 15 Minuten in einem schönen Raum. Mit der Muttergottes, da hat nichts gefehlt, was katholisch ist." Für Kretschmann überraschend brachte Benedikt XVI. ein sehr spezifisches Thema vor: "Und was fragt mich der Papst? Nach Stuttgart 21." Für den Papst waren dabei weniger die baulichen Details des immer noch nicht fertiggestellten Milliardenprojekts des Umbaus des Stuttgarter Bahnhofs interessant. Stattdessen habe er wissen wollen, warum eine eigentlich technische Frage zu solchen Verwerfungen in der Gesellschaft führen konnte – "bis hin zu Spaltungstendenz in der Bevölkerung".
Winfried Kretschmann ist seit Mai 2011 der erste grüne Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes. Bei der Landtagswahl im Frühjahr 2026 trat er nicht mehr an. Der Empfang von Papst Benedikt XVI. fiel an den Beginn seiner Amtszeit: Ende September 2011 war Freiburg im Breisgau die letzte Station der Deutschlandreise des Papstes. Im Freiburger Konzerthaus hielt der Papst seine vielbeachtete Rede, in der er eine Entweltlichung der Kirche forderte. Kretschmann ist selbst engagierter Katholik und war Mitglied des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Freiburg und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Bis heute ist er Mitglied im Kirchenchor seines Heimatdorfs Laiz an der Donau. Er äußert sich immer wieder zu kirchlichen Reformthemen. (fxn)
