Papst trifft am Tag seiner Wahl Benachteiligte und predigt Frieden
"Buongiorno Pompei! Danke, dass ihr alle hier seid!" Wie ein Rockstar grüßt Papst Leo XIV. am Freitag Tausende jubelnder Menschen im süditalienischen Pompeji, wo er den ersten Jahrestag seiner Papstwahl begeht. Genau ein Jahr zuvor, am Abend des 8. Mai 2025, hatte er auf der Loggia des Petersdoms an den Tag der Madonna vom Rosenkranz erinnert. Sie wird in einem neobarocken Heiligtum in jener Stadt verehrt, die bei Touristen vor allem durch den Vulkanausbruch in der Antike und die berühmten Ausgrabungen bekannt ist.
Doch die Basilika, die auf Initiative des bekehrten früheren Kirchengegners, Anwalts und 2025 heiliggesprochenen Bartolo Longo (1841-1926) im 19. Jahrhundert erbaut wurde, ist nicht nur ein religiöses, sondern auch ein Sozialzentrum. Hier erhalten arme Familien, Waisenkinder, Senioren, Kranke und Behinderte Unterstützung. Ihnen wollte der Papst bei seinem rund dreieinhalbstündigen Auftritt besonders viel Zeit widmen.
Intensive Vorbereitungen
Dagegen hatte für die Menschen in der 25.000-Einwohner-Stadt und ihre Gäste der Tag schon vor Sonnenaufgang begonnen. Bereits gegen 4.30 Uhr waren Pilger aus der Umgebung per Zug angereist.
Svetlana, eine von etwa 600 Freiwilligen, Polizei-, Sicherheits- und Sanitätskräften, gönnt sich um kurz nach sechs mit ihrem Team einen Kaffee in einer Bar neben der Piazza. "Es ist für uns eine Ehre, dass der Papst vorbeikommt. Schließlich ist Pompeji nicht die bedeutendste Stadt der Welt", so die junge Sanitäterin.
Das will Massimiliano in seinem Souvenirladen nicht gelten lassen. "Pompeji nicht bedeutend? Es ist seit Jahrhunderten für seine Marienverehrung berühmt!", so der Geschäftsmann, während er Regen-Capes und Schirme für fünf Euro vor dem Laden drapiert. Denn: "Es soll gegen zehn Uhr regnen." Auch ein T-Shirt mit dem Konterfei des Papstes bietet er an und kommentiert: "ein sehr kluger und freundlicher Mann".
Massimiliano und Rosaria mit ihrem selbstgestalteten T-Shirt mit Papst-Leo-Motiv vor ihrem Andenkenladen am 8. Mai 2026 in Pompeji (Italien).
Unterdessen postieren sich auf der Piazza die Menschen aus Pompeji und dem Umland. Die Kinder haben schulfrei. Bereits am Vorabend wurden Straßensperren errichtet und mobile Toiletten bereitgestellt. Von zahllosen Laternenreitern lächelt das Kirchenoberhaupt unter dem Slogan "Willkommen, Papst Leo XIV."
Luftballons und Blumen in vatikanischem Gelb und Weiß schmücken den Ort. Rund 5.000 Stühle sind im Stadtzentrum an verschiedenen Orten aufgebaut. Am Morgen bleiben einige von ihnen zunächst frei. Nach dem kräftigen Regen vom Vortag und wegen der für Süditalien kühlen Mai-Temperaturen hatten wohl viele die TV-Übertragung dem Aufenthalt im Freien vorgezogen. Insgesamt sind laut Polizeiangaben dennoch 20.000 Menschen gekommen.
Glockenläuten und Jubel
Als um 8.52 Uhr alle Glocken läuten, ist die Spannung spürbar: Der Helikopter des Papstes ist gelandet. Nach der Begrüßung durch den Ortsbischof und Regionalpolitiker geht er zu Fuß zum "Tempel der Nächstenliebe", neben dem Heiligtum. Dort hört der sichtlich bewegte Papst Berichte von Betroffenen, die ihm von ihrem Schicksal, von Krankheit, Gewalt und Einsamkeit berichten, aber auch von der Hilfe, die sie erfahren.
Leo XIV. dankt jedem einzelnen wie auch den vielen Engagierten, schüttelt zahllose Hände, segnet Kinder und zeigt sich bei mehreren Fahrten im offenen Golf-Car nahbar und gut aufgelegt. Bevor er die Basilika betritt, begrüßt er, die rote Mozzetta über seinem weißen Gewand, spontan die Tausenden Pilger und verweist auf "la Mamma": Die Mutter Maria, die immer bei den Menschen sei und sie mit ihrer Fürsprache und Liebe begleite.
Beifall für eindringliche Friedenspredigt
Seine Worte werden von den Menschen freudig beklatscht, während sich zaghaft die Mai-Sonne hinter den Wolken zeigt. Bei der anschließenden Messe vor der Basilika geht Leo XIV. mit großem Nachdruck erneut auf das Thema ein, das er gleich nach seiner Wahl gesetzt hatte und das ihn immer mehr prägt: Einsatz für den Frieden. Die Menschen quittieren die Predigt mehrfach mit lautem Beifall.
Nach dem Mittagsgebet zur Madonna vom Rosenkranz endet der öffentliche Auftritt des Papstes in Pompeji. Am Nachmittag standen weitere Begegnungen mit Menschenmengen auf dem Programm, diesmal im benachbarten Neapel. (KNA)
