"Hab Mut, steh auf!" – und dann?
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Am 13. Mai beginnt in Würzburg der 104. Deutscher Katholikentag. Sein Leitwort "Hab Mut, steh auf!" ist mehr als ein Appell. Es erinnert daran, dass Veränderung nicht von allein geschieht, sondern davon lebt, dass Menschen den Mut finden, aufzustehen.
Gerade jetzt braucht es diesen Mut. In einer Kirche, die sich wandelt. In einer Gesellschaft, die vor großen Fragen steht. Und in einem Alltag, in dem viele Frauen längst Verantwortung übernehmen, oft selbstverständlich, oft leise, oft ohne große Bühne.
Der Katholikentag kann diesen Mut sichtbar machen. Er kann Menschen ermutigen, Erfahrungen zu teilen, Position zu beziehen und neue Wege zu denken. Aber er sollte noch mehr sein: ein Ort, an dem aus Worten Haltung und aus Haltung konkrete Schritte werden.
Denn "Hab Mut, steh auf!" darf nicht beim Zuhören stehen bleiben. Es fordert uns heraus und stellt die Frage: Wo stehen wir selbst? Und wofür stehen wir ein?
Ich erwarte von diesen Tagen, dass sie stärken, nicht nur im Moment, sondern darüber hinaus. Dass sie uns ermutigen, auch unbequeme Themen anzusprechen. Dass sie Räume öffnen für Stimmen, die oft zu wenig gehört werden. Und dass sie uns den Rücken stärken, wenn wir nach diesen Tagen wieder in unseren Alltag zurückgehen.
Für mich gehört auch die Frage dazu, wie sichtbar Frauen mit ihrer theologischen Kompetenz und ihrer Verkündigung auf diesem Katholikentag tatsächlich sind. Es irritiert, dass im Abschlussgottesdienst am Sonntag – ausgerechnet am Tag der Apostelin Junia – die Auslegung des Evangeliums nicht als Dialogpredigt gestaltet wird. Gerade an diesem Tag wäre ein gemeinsames Predigen von Frauen und Männern ein starkes Zeichen gewesen. Mut zeigt sich eben nicht nur in Diskussionen, sondern auch darin, Beteiligung zu verdeutlichen – in den sichtbaren Handlungen.
Viele Frauen tun das längst. Sie stehen auf, nicht weil es leicht ist, sondern weil es notwendig ist. Der Katholikentag kann ihnen Rückenwind geben. Und er kann uns daran erinnern: Mut beginnt nicht erst auf großen Veranstaltungen. Aber er kann dort wachsen.
"Hab Mut, steh auf!" Nehmen wir diesen Satz ernst. Nicht nur für fünf Tage. Sondern für das, was danach kommt.
Die Autorin
Friederike Frücht leitet die Abteilung Kommunikation der kfd und ist Chefredakteurin der Mitgliederzeitschrift Junia.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
