Das Ende einer Ära?

Warum der Wiener Dompfarrer Toni Faber abgesetzt werden soll

Veröffentlicht am 21.05.2026 um 00:01 Uhr – Von Ayleen Over – Lesedauer: 

Wien ‐ Medienberichten zufolge will der Erzbischof von Wien Dompfarrer Toni Faber in den frühen Ruhestand schicken. Vor allem sein Umgang mit dem Zölibat sorgt für Schlagzeilen. Es wäre die Rente für eine schillernde Figur.

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Er hat es mal wieder in die Schlagzeilen geschafft: Toni Faber, Dompfarrer des Wiener Stephansdoms, soll laut einem Bericht der österreichischen Zeitung "Die Presse" vom Montag abgesetzt werden. Der Sprecher der Erzdiözese Wien bestätigte auf Nachfrage von katholisch.de, dass der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl mit Faber seit einiger Zeit Gespräche über die Zukunft der Pfarre und des Pfarrers führe, er zu ihrem Inhalt jedoch nichts sagen könne. Für nicht wenige wird dieser Schritt wenig überraschend kommen, schließlich fiel Faber in den vergangenen Jahren durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Äußerungen auf, die ihm nicht nur Lob eingebracht haben. 

Der im Januar ernannte Wiener Erzbischof Josef Grünwidl würde mit der Absetzung auch – anders als sein Vorgänger Kardinal Christoph Schönborn – einen Schlussstrich nach zahlreichen medienwirksamen Auftritten ziehen. Schönborn galt als Unterstützer Fabers und begründete dies mit dessen Erfolgen hinsichtlich Kircheneintritten und Wiedereintritten. Nach eigenen Angaben Fabers begleitet er jährlich 80 bis 100 Menschen zurück in die Kirche. Doch Grünwidl zeigte sich bei seinem Amtsantritt trotz Lob für dessen pastoralen Engagements irritiert über den Wiener Dompfarrer. "Beim Zölibat hat er eine Lösung gefunden, mit der ich mir schwertue. Wir sind im Gespräch, um eine Lösung zu finden", so Grünwidl.  

Diese "Lösung", von der Grünwidl spricht, ist die der "sehr guten Freundin", wie Faber seine ständige Begleitung Natalie Nemec nennt. Zusammen mit Nemec tritt Faber jedes Jahr beim Wiener Opernball auf, den er auch als "Pfarrball" bezeichnete. Anders als manche Medienberichte nannte Faber seine Begleitung jedoch nie "Lebensgefährtin" und würde auch keine Frau so titulieren, wie er betonte. Gleichzeitig erklärte er in der ORF-Sendung "Hinter den Schlagzeilen" im Februar dieses Jahres, dass er "wirklich immer wisse, dass sie für mich einsteht und ich für sie". Jedoch verwehrte er sich, allzu Privates in die Öffentlichkeit zu tragen.

Toni Faber ist seit 1999 Dompfarrer der Dompfarre St.Stephan in Wien.
Bild: ©www.dompfarre.info / Suzy Stöckl

Toni Faber ist seit 1999 Dompfarrer der Dompfarre St.Stephan in Wien.

Zum Zölibat hat sich Faber allerdings schon mehrmals kritisch geäußert. So erklärte er in derselben ORF-Sendung im Februar, weder die Ehe noch die Ehelosigkeit werden ihre Idealen erreichen, doch jeder müsse sein persönliches Ideal finden, "für die man nach außen, vor Gott, vor seinem Gewissen, vor seinem konkreten Partner auch einstehen kann", wie er betont. Den Glauben, jemand würde "automatisch heiliger", nur weil er ehelos oder ohne Familie lebe, bezeichnete er als "völlig überschätzt". Zwar stehe er zu seiner Ehelosigkeit, zu der er sich mit dem Priesterberuf entschieden habe, jedoch plädierte er auch zum Nachdenken. "Muss die katholische priesterliche Lebensform unbedingt mit der ehelosen Lebensform verbunden bleiben auf alle Zeit?", fragte Faber dazu.

Plädoyer für Nachdenken

Da ist er von seinem neuen Bischof gar nicht so weit weg: Auch Grünwidl bezeichnete den Zölibat zwar als eine "tolle Lebensform" und hält die Regel nicht für überkommen, hinterfragte jedoch bereits ebenso wie Faber die Voraussetzung eines zölibatären Lebens für das Priesteramt. "Es war auch in unserer Kirche nicht immer so, dass der Zölibat vorgeschrieben war", erklärte er in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" im April dieses Jahres. "Ich wäre glücklicher, wenn man über diese Frage nachdenkt und dann sagt, wer sich für das zölibatäre Leben berufen fühlt, soll das so leben – aber dass es auch die Möglichkeit gibt, mit Familie Priester zu sein", betonte Grünwidl.

Auch bei der Frauenfrage zeigten sich Faber und Grünwidl einig. Während Faber Rom kritisierte und die Frage als "längst überreif" bezeichnete, forderte Grünwidl Veränderungen und erklärte, "wenn wir die Ergebnisse der jüngsten Weltsynode ernst nehmen, dann müssen sich auch manche Bestimmungen, Traditionen und auch kirchenrechtliche Regelungen ändern".  

Der Wiener Erzbischof Josef Gründwidl blickt in die Ferne
Bild: ©KNA/Henning Klingen/kathpress (Archivbild)

Erzbischof Josef Grünwidl zeigt sich irritiert von Fabers Haltung zum Zölibat.

Die Haltungen sind es also nicht, die die beiden Kirchenmänner trennen. Jedoch die Art, wie sie in der Öffentlichkeit auftreten. Bereits im Juni 2009 fiel Faber medienwirksam auf – damals verlor er seinen Führerschein, nachdem er alkoholisiert am Steuer saß. Ein anderes Mal ließ er ein Kunstwerk eines Scientology-Anhängers als Fastentuch vor dem Altar in St. Stephan aufhängen, es wurde später vom Domkapitel entfernt. Der ORF bezeichnete ihn aufgrund seiner zahlreichen Auftritte in der Wiener High Society als "Societylöwen", wogegen Faber sich selbst als "City-Seelsorger und nicht ein Society-Padre" bezeichnete. Weitere Äußerungen betrafen Supermärkte, die er nur vom Segnen kenne; sein fehlendes Mitleid gegenüber Ungeimpften während der Corona-Krise sowie die Aussage, Katholiken stellten individuellen Wohlstand über Familienplanung und würden sich so verständigen: "Wir wollen auf hohem Niveau aussterben". Am Ende war es vielleicht ein Zeitungsinterview zu viel. 

Der 1964 in Wien geborene Anton "Toni" Faber wurde bereits 1997 zum Leiter der Dompfarre St. Stephan in der österreichischen Hauptstadt ernannt. Drei Jahre später erfolgte die Ernennung zum Domkapitular auf Amtszeit – was bedeutet, dass Faber mit dem Erreichen seines 75. Lebensjahres seinen Rücktritt anbieten und emeritieren müsste, sollte sich Grünwidl doch gegen eine frühzeitige Pensionierung entscheiden. Jedoch scheint sich Faber mit einem frühzeitigen Ruhestand abgefunden zu haben. So erklärte er gegenüber der österreichischen Zeitung "Der Standard", dass er sich entgegen seiner vorherigen Haltung nun doch vorstellen könnte, als Dompfarrer in Pension zu gehen. Jedoch hoffe er darauf, als einfacher Priester weiter mit Messen, Taufen und anderen seelsorglichen Diensten in St. Stephan tätig sein zu können. Ob sich sein Wunsch erfüllt, ist bislang noch nicht sicher. 

Laut der "Kronen Zeitung" könnte eine Pensionierung Fabers zum 30-jährigen Dienstjubiläum im Juli 2027 stattfinden. Es wäre das Ende einer Ära für den Wiener Stephansdoms, und gleichzeitig die Möglichkeit für Grünwidl, seine künftige Linie stärker durchzusetzen.

Von Ayleen Over