Armenischer Katholikos schlägt Papst Drittes Vatikanisches Konzil vor

Der Katholikos von Kilikien der Armenischen Apostolischen Kirche hat Papst Leo XIV. auf ein mögliches "Drittes Vatikanisches Konzil" angesprochen. Das geht aus der Themenliste hervor, die die altorientalische Kirche nach dem Treffen am Montag auf ihrer offiziellen Facebook-Seite veröffentlicht hat. Katholikos Aram I. habe insgesamt drei Gesprächspunkte eingebracht: ein gemeinsames Osterdatum, die Einrichtung eines Gedenktags für alle Märtyrer, und "die Einberufung eines Dritten Vatikanischen Konzils, wobei die dringende Notwendigkeit dieser Angelegenheiten im Leben der weltweiten christlichen Kirche hervorgehoben wurde", so die Erklärung.
In den Verlautbarungen des Vatikans zum Treffen taucht die Frage eines Konzils nicht auf. Neben den drei hervorgehobenen Themen standen laut der Erklärung der armenischen Kirche internationale Konflikte auf der Tagesordnung, unter denen Armenier leiden, und die Situation im Libanon, wo das Katholikat von Kilikien seinen Sitz hat. "In Bezug auf die oben genannten Punkte brachte Seine Heiligkeit Papst Leo XIV. sein Verständnis und seine Unterstützung zum Ausdruck und lieferte zugleich die erforderlichen Erläuterungen von seiner Seite", heißt es in der Erklärung weiter. Am Mittwoch hielt der Papst seine Generalaudienz gemeinsam mit dem Katholikos ab. Eine derartige Doppelaudienz hatte bereits Papst Franziskus mit dem koptischen Papst Tawadros III. 2023 gegeben.
Papst Leo XIV. würdigte in seiner Ansprache das ökumenische Engagement von Katholikos Aram I. "Ich bin Ihnen zutiefst dankbar für Ihre Bemühungen um die Pflege der Beziehungen zur katholischen Kirche und für Ihre Verbundenheit mit der Kirche in Rom", sagte der Papst. Besonders hob er das persönliche Engagement des Katholikos für den ökumenischen Dialog hervor: "Ich hoffe aufrichtig, dass dieser Dialog trotz der jüngsten Schwierigkeiten mit neuer Kraft fortgesetzt wird, denn ohne Einheit im Glauben kann es keine Wiederherstellung der Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen geben."
Armenischer Heiliger in katholischen Heiligenkalender aufgenommen
Die Begegnung zwischen Aram I. und Leo XIV. nutzte der Papst, um die Gemeinschaft zwischen den beiden Kirchen zu stärken. Dazu nahm der Papst den armenischen Heiligen Nerses Schnorhali in das Römische Martyrologium auf. Damit ist die liturgische Verehrung des Heiligen nun auch in der katholischen Kirche zulässig. Nerses IV. war Katholikos der Armenier (1166–1173), also ein Vorgänger des amtierenden Katholikos Aram I. Er gilt als der herausragendste armenische Theologe und Dichter seiner Zeit.
Zur Frage eines "Dritten Vatikanisches Konzil" hat sich Papst Leo XIV. bislang nicht geäußert. Das Zweite Vatikanum (1962–1965) bezeichnete er als "Leitstern" für die Kirche. Papst Franziskus sah 2023 die Zeit für ein weiteres Konzil noch nicht als reif an, da das bislang letzte Konzil noch im Prozess der Umsetzung sei. Im Februar betonte der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff, dass sich die Frage nach einem Konzil nicht beantworten ließe, solange nicht vertieft über gemeinsame Beratungs- und Entscheidungskultur in der Kirche beraten würde. Zu einem möglichen neuen Konzil äußerten sich weitere Theologen eher ablehnend. Dazu gehören der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold, der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald und der Kirchenhistoriker und Kardinal Walter Brandmüller.
Das Kloster Chor Virap vor dem Berg Ararat. Das Kloster ist ein zentraler Ort für die Geschehnisse, die Armenien zum ersten christlichen Staat der Welt machten.
Die Armenische Apostolische Kirche ist eine altorientalische oder orientalisch-orthodoxe Kirche. Etwa neun Millionen Gläubige gehören zu ihr. Sie ist die älteste Staatskirche der Welt und trennte sich nach dem Konzil von Chalcedon (451) von der römischen Reichskirche. An diesem Konzil nahm kein Vertreter der Armenisch Apostolischen Kirche teil, im Jahr 506 lehnte die Synode der Kirche die Beschlüsse des Konzils ab. Aram I. ist seit 1995 als Katholikos von Kilikien das Oberhaupt eines der beiden Katholikate der Armenischen Apostolischen Kirche. Er setzt sich seit Jahrzehnten für die Ökumene ein und unterzeichnet 1997 mit Papst Johannes Paul II. (1978–2005) eine gemeinsame ökumenische Deklaration.
Die orientalisch-orthodoxen Kirchen sind neben der byzantinisch-orthodoxen Kirche und der Kirche des Ostens eine der drei Zweige der nichtkatholischen Ostkirchen. Sie sind entstanden aus den Kirchen, die das Konzil von Chalcedon abgelehnt haben. In diesen Kirchen wird der Glaube an die wahre Gottheit und die wahre Menschheit Christi ausgedrückt, ohne dabei von zwei "Naturen" zu sprechen, wie es das Konzil von Chalcedon getan hat. Mit der "Wiener christologischen Formel" wurde 1971 die Grundlage zur Überwindung der theologischen Differenzen zwischen der katholischen und den orientalisch-orthodoxen Kirchen gelegt. In der Folge wurden mehrere bilaterale gemeinsame christologische Erklärungen unterzeichnet, so dass die Christologie heute nicht mehr als kirchentrennend gilt. (fxn)