Standpunkt

Die Chance nutzen und die synodalen Prozesse stärker zusammenführen

Veröffentlicht am 21.05.2026 um 00:01 Uhr – Von Thomas Arnold – Lesedauer: 

Dresden ‐ Der Vatikan hat Leitlinien für den Fortgang der Weltsynode veröffentlicht. Thomas Arnold sieht nun die Chance, endlich die Stränge der Prozesse in Rom und Deutschland zu verbinden – und neue Perspektiven zu entwickeln.

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Die Weltsynode geht weiter. Mit den jetzt veröffentlichten Leitlinien bekennt sich Papst Leo XIV. kurz vor Veröffentlichung seiner sozialethischen Enzyklika zum Reformprozess innerhalb der katholischen Kirche, den Papst Franziskus mit viel Verve angestoßen hatte. 

Dies ist nicht automatisch ein Bekenntnis zu dem, was als Synodaler Weg der Kirche in Deutschland in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Denn man darf nicht verkennen, dass der vom Vatikan initiierte Prozess Antworten auf die Frage sucht, auf welche Art und Weise, also wie, eine weltweite – und sich auch als immer mehr solche selbst wahrnehmende – Kirche künftig miteinander zu Kompromissen findet, die unterhalb der Glaubenswahrheiten anzusiedeln sind.

Auch wenn man in Rom lange Zeit meinte, dass man mit der Frage des Wie inhaltliche Themen ausblenden kann (was selbstverständlich nicht funktioniert), bleibt es auch künftig eine andere Schwerpunktsetzung als beim zurückliegenden Synodalen Weg in Deutschland. Dort wurde stärker über Inhalte diskutiert und auf dem Weg des Gehens erst eine synodale Haltung step by step entwickelt. Während man in Rom vom Wie zum Was kam, war es in Deutschland zuletzt genau umgekehrt – vom Was zum Wie. Die Lerneffekte sind gegenseitig.

Die nun vorliegenden Leitlinien für die nächste internationale synodale Versammlung im Jahr 2028 sind daher nicht nur ein Bekenntnis des Papstes, die Idee seines Vorgängers fortzusetzen, sondern auch eine Chance, endlich die synodalen Prozesse in Deutschland mit jenen, die weltweit stattfinden, sichtbar zusammenzuführen. Unabhängig von der Frage einer Recognitio der Satzung einer Synodalkonferenz in Deutschland sollte jetzt von den Trägern in Deutschland und im Vatikan jede Mühe aufgewandt werden, die Stränge der verschiedenen Prozesse zu einem künftigen Miteinander von Laien und Bischöfen in der katholischen Kirche zusammenzuführen. Es ist eine entscheidende Gelingensbedingung, den zuletzt erlebten Aufbruch von Würzburg fortzuführen und eine neue Option gelebten Glaubens der Kirche in Deutschland zu entfalten.

Von Thomas Arnold

Der Autor

Dr. Thomas Arnold baut im Leitungsstab des Sächsischen Staatsministeriums des Innern den Bereich strategische Planung, Organisationsentwicklung und Controlling auf. Zuvor leitete er von 2016 bis 2024 die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.