Standpunkt

Überparteilich heißt nicht unpolitisch

Veröffentlicht am 05.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Simon Linder – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat vor der Wahl in Baden-Württemberg eine Initiative gestartet, um politische Mitsprache zu fördern. Damit trägt die Kirche zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei, meint Simon Linder.

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Wer schon einmal auf einer WG-Party war, weiß: Die spannenden Gespräche finden in der Küche statt. Vor einigen Monaten hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart nun eine Initiative gestartet: Weil die Durchschnittsküche in Deutschland 13 Quadratmeter groß ist, ziehen Engagierte mit einem aufbaubaren "mobilen Raum", der 13 mal 13 Meter groß ist, durch Baden-Württemberg, um gemeinsam mit Kooperationspartnern wie der Landeszentrale für politische Bildung und dem Deutschen Gewerkschaftsbund an öffentlichen Plätzen einen Ort zum Austausch zu schaffen.

Die Organisator*innen erreichen dort vor allem Menschen, die sonst nicht zu Wort kommen. Neben sozialen Problemen wie zu hohen Mieten und zu wenig konsumfreien Räumen kommt ein Thema immer wieder auf: eine schlechte Debattenkultur und zu wenig Respekt voreinander, auch im politischen Diskurs.

Keine Frage: Die verschiedenen demokratischen Parteien stehen für unterschiedliche Lösungsansätze bei den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen, auch den oben genannten Themen – und es ist gut, dass das im Wahlkampf sichtbar wird. Und doch scheint es mir wichtig, sich gerade in einer Zeit besonders hitziger Debatten daran zu erinnern: Die Vertreter*innen der demokratischen Parteien haben vieles gemeinsam – und zwar mehr als mit der AfD, die auch in Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft ist.

Ich hoffe, dass viele Menschen in Baden-Württemberg am Sonntag zur Wahl gehen – gerade diejenigen, welche zwischen verschiedenen demokratischen Parteien schwanken. Mit jeder Stimme für eine der demokratischen Parteien verringert sich der prozentuale Zuspruch für die AfD. Indem die Kirche rund um die Wahl Menschen miteinander ins Gespräch bringt, trägt sie zum Zusammenhalt einer diversen Gesellschaft bei. Das ist mehr als ein wichtiges Zeichen – es ist eine dringend benötigte gesellschaftspolitische Verantwortungsübernahme einer überparteilichen Organisation.

Von Simon Linder

Der Autor

Simon Linder arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Tübingen. Er ist promovierter Katholischer Theologe und hat einen Studienabschluss in Allgemeiner Rhetorik. Aktuell forscht er zum Thema "Assistierter Suizid".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.