Nach freiwilliger Räumung

"Voller Ratten": Ex-Nonnen sollen Kloster verwahrlost übergeben haben

Veröffentlicht am 16.03.2026 um 09:40 Uhr – Lesedauer: 

Belorado ‐ Der Streit um das Kloster Belorado hört nicht auf. Die Ex-Nonnen haben das Kloster zwar freiwillig verlassen. Aber in welchem Zustand? Die Darstellung des Erzbistums und der Frauen könnte verschiedener nicht sein.

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Die schismatischen Klarissen von Belorado haben ihr ehemaliges Kloster freiwillig verlassen – aber in einem unzumutbaren Zustand. So stellt es jedenfalls das Erzbistum Burgos dar, dessen Erzbischof Mario Iceta der vom Vatikan bestellte Apostolische Kommissar des Klosters ist. Gegenüber dem spanischen Online-Magazin "Religión Digital" sagte der Sprecher des Erzbistums, dass das Anwesen in einem bedauernswerten Zustand sei, "schmutzig und voller Ratten". Die ehemaligen Schwestern hätten zudem fast das gesamte Mobiliar mitgenommen. Dieser Darstellung widersprechen die Frauen: Sie hätten vor ihrem Auszug hunderte Fotos und Videos angefertigt, die den guten Zustand des Klosters belegten.

Fotos aus dem Kloster, die das Erzbistum "Religión Digital" zur Verfügung gestellt hat, zeigen Essensreste, Stapel alter Kleidung, Spuren von Insekten und Nagetieren, fleckige Wände und herausgerissenes Mobiliar. Die ehemaligen Nonnen hätten Möbel, eine Großküche und alle liturgischen Gewänder und Schränke aus der Sakristei entwendet. Vermisst werden Altarbilder, Unterlagen und zahlreiche Kunstwerke.

Ex-Nonnen wollen ordnungsgemäße Übergabe mit Bildern beweisen

Dagegen halten die sieben ehemaligen Ordensfrauen, dass sie vor ihrem Auszug tage- und nächtelang auf Kosten ihrer eigenen Gesundheit das Kloster "mit enormem und titanischem Einsatz alle Räume des Klosters gereinigt, geschrubbt und aufgeräumt" hätten. Über ihren Sprecher erklärten sie, dass der Erzbischof ihren guten Ruf beschmutzen wolle. Neben den Fotos des Erzbistums veröffentlichte "Religión Digital" auch Fotos, die sie von den Ex-Nonnen erhalten haben, die einen deutlich besseren Zustand einzelner Räume zeigen.

Nach monatelangem Rechtsstreit hatten die ehemaligen Klarissen am vergangenen Donnerstag das von ihnen bis dahin weiterhin bewohnte Kloster freiwillig kurz vor der Räumung durch die Justizbehörden geräumt. Die Schlüssel des Klosters wurden der Polizei übergeben, die sie an eine Vertreterin der Klarissenföderation übergeben hat, zu der das Kloster gehört. Wie es für die Ex-Nonnen und ihr ehemaliges Kloster weitergeht, ist noch ungewiss. Zunächst seien die Frauen bei einer Verwandten untergekommen.

Weiterer Prozess steht an

Der Konflikt um die Klarissen von Belorado hat sich in den vergangenen Monaten immer weiter zugespitzt. Die Eskalation hatte 2024 mit dem von ihnen unterzeichneten Manifest begonnen, mit dem sie sich von der katholischen Kirche lossagten und erklärten, alle Päpste nach Pius XII. (1939–1958) nicht mehr anzuerkennen. Im Laufe des Konflikts schlossen sie sich verschiedenen schismatischen angeblichen Bischöfen an und wurden aufgrund ihres Schismas exkommuniziert. Zwei der exkommunizierten Frauen sind mittlerweile wieder zur Kirche zurückgekehrt, gehören aber nach der Aufhebung ihrer Exkommunikation keinem Orden mehr an.

Obwohl die Frauen der Räumung zuvorgekommen sind, sind ihre rechtlichen Probleme nicht ausgestanden. Die ehemaligen Ordensfrauen müssen sich vor Gericht verantworten, da ihnen unter anderem die Vernachlässigung von fünf älteren Ordensfrauen vorgeworfen wird, die den Gang ins Schisma nicht mitgemacht haben, aufgrund ihres Gesundheitszustands das Kloster aber nicht verlassen konnten. Die fünf Schwestern, von denen eine mittlerweile verstorben ist, wurden Mitte Dezember von der spanischen Polizei aus dem Kloster Orduña befreit, in das sie von den Ex-Klarissen gebracht wurden. (fxn)