Ein synodales Treffen zu Familien – ohne Familien?
Der vorletzte Absatz der Botschaft von Papst Leo XIV. zum zehnten Jahrestag des nachsynodalen Schreibens "Amoris laetitia" lässt aufhorchen: "Angesichts der Veränderungen, die weiterhin Einfluss auf die Familien haben, habe ich beschlossen, im Oktober 2026 die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der ganzen Welt zu versammeln, um im gegenseitigen Aufeinanderhören eine synodale Unterscheidung bezüglich der Schritte vorzunehmen, die unternommen werden müssen, um heute den Familien das Evangelium zu verkünden."
Über zehn Jahre nach der Bischofssynode zum Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" ist ein Update hier sicher ratsam. Dass Familien ein zentraler Ort der Glaubensweitergabe sind, ist ebenfalls längst bekannt. Doch ein Punkt irritiert: Hat Papst Leo XIV. tatsächlich nur Bischöfe zu diesem Treffen eingeladen? Das wäre ein Rückschritt hinter das, was die Sitzungsperioden der Bischofssynode zur Synodalität etabliert haben: gemeinsame Beratungen und Entscheidungen von Kardinälen, Priestern, Ordensleuten und Laiinnen und Laien. Die runden Tische in der Synodalaula waren ein bildhaftes Beispiel dafür.
Protagonisten bisher immer Bischöfe und der Papst
Natürlich haben schon 2015 bei der Familiensynode im Vatikan nicht nur Bischöfe teilgenommen. Es ist schon lange Praxis, einzelne Expertinnen und Experten zu diesen Treffen einzuladen. Bis zur Weltsynode blieb es allerdings dabei: Diejenigen, um die es eigentlich geht, bringen an geeigneter Stelle ihre Perspektive ein. Die eigentlichen Protagonisten waren Bischöfe und der Papst.
Das zehnjährige Jubiläum des nachsynodalen Schreibens "Amoris laetitia" ist der Anlass für die Bischofsversammlung im Oktober.
Gerade, wenn es um Familien geht, sollten aber auch Familien selbst ihre Sorgen, Nöte und Erfahrungen teilen. Auch wenn einfühlsame zölibatäre Seelsorger sich in ihre Situation hineinfühlen können – allein aufgrund ihrer Lebensform können Bischöfe keine Experten für die Herausforderungen sein, mit denen (junge) Familien heute in Partnerschaft, Erziehung, Beruf und Glaubensleben konfrontiert sind. Die Bischöfe brauchen ein Gegenüber auf Augenhöhe, um diese Leerstellen zu füllen. Wahrhaft synodal wäre es also, hier möglichst viele Perspektiven aus ganz unterschiedlichen Kontexten zu hören.
Dieser Stil hatte sich unter Leos Vorgänger Franziskus zuletzt eigentlich geändert. Synodalität – für den verstorbenen Papst das, "was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet" – beinhaltete einen Austausch auf Augenhöhe, ein gemeinsames Hören voneinander und aufeinander, auch wenn die Letztentscheidung weiterhin in klerikaler Hand lag. "Die Anwesenheit der Laien, der Frauen hat uns sehr gut getan", sagte etwa der Belgrader Kardinal Ladislav Nemet im katholisch.de-Interview. Die Gespräche an den runden Tischen waren aus seiner Sicht "wirklich katholisch".
Am synodalen Willen sollte es also nicht scheitern
Papst Leo hat sich seit seiner Amtsübernahme immer wieder zum synodalen Stil der Kirche bekannt. "Wir wollen eine synodale Kirche sein, eine Kirche auf dem Weg", sagte er bereits kurz nach seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt. Die von seinem Vorgänger initiierte Weltsynode – an der er als Bischofspräfekt aktiv teilnahm – führte er weiter und berief sogar ein außerordentliches Kardinalskonsistorium ein, um über Synodalität und Mission zu beraten. Am synodalen Willen sollte es also nicht scheitern.
Freilich ist die Ankündigung von Papst Leo XIV. sehr kurz gehalten und es ist nicht klar, ob noch einzelne Familien zum bischöflichen Treffen hinzugeladen werden. Trotzdem ist die Ankündigung bereits jetzt eine verpasste Chance: Hätte Papst Leo XIV. von vorherein betont, dass auch Eheleute und Familien am bischöflichen Treffen teilnehmen und auf Augenhöhe mitdiskutieren, wäre das ein Zeichen dafür gewesen, dass sich ein synodaler Stil im Vatikan wirklich etabliert hat.
