Fastenzeit-Kolumne – Teil 6

Schon Ende der Fastenzeit?

Veröffentlicht am 29.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Carina Adams – Lesedauer: 

Bonn ‐ 40 Tage Fastenzeit scheinen wie eine lange Zeit. Doch kurz vor dem Ende stellt sich für Carina Adams die Frage: Habe ich genug erreicht? Sie sucht Antworten in der Bibel.

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"Scheiße, ist das wenig Zeit." Wer kennt sie nicht, die absolut vorhersehbare, lang ignorierte, plötzlich auftauchende Deadline. Mit dem Palmsonntag steht uns die Karwoche und damit auch schon das Ende der Fastenzeit bevor. Und ich meine in dieser Fastenzeit zum ersten Mal in meinem Leben das "schon" mit vollem Herzen. Denn ich hab mir mal wieder viel zu viel vorgenommen und viel zu wenig Zeit eingeplant.

Während in der Redaktion die Impulse und Themen für die Karwoche besprochen werden, breitet sich in mir immer weiter das unangenehme Gefühl aus, dass ich meinen hoch gesteckten Fastenzielen nicht einmal nahegekommen bin.

Ruhe ich in mir? Vielleicht fünf Minuten am Tag. Lasse ich mich nicht ablenken? Haha. Also werfe ich daheim panisch meine Sachen in die Ecke, breite meine Yoga-Matte aus und zünde sogar eine Kerze an.

maria ward
Bild: ©KNA

Die Schriftbetrachtung nach Ignatius von Loyola verbindet meditative Elemente, Gebet und Bibelstudium. Für einen eher verkopften Menschen wie mich ein sehr spiritueller Ansatz.

"Schriftbetrachtung nach Ignatius von Loyola" hatte mir jemand doch neulich empfohlen. Also atmen, Carina, atmen und zu dir selbst finden. Natürlich glaube ich nicht wirklich daran. Ich bin schließlich auch nicht ganz unfähig zu lernen, dass diese Fastenzeit ein Prozess ist, den man nicht unbedingt abkürzen kann.

Aber ich atme mal und schlage dann die empfohlene Bibelstelle von Maria und Marta (Lk 10,38–42) auf.

Schaden kann's ja nicht.

Ich will das hier ganz deutlich sagen: Ich glaube nicht daran, dass es einfache Lösungen gibt. Sorgen wegbeten, Charakterschwächen durch tägliches Bibellesen aufheben, Gott in einem großartigen spirituellen Ereignis erleben: Alles nicht mein Ding.

Aber ich habe durchaus eine alltägliche, im Moment verankerte Spiritualität. Also versetze ich mich in die Szenerie von Marta, die Jesus’ Besuch in ihrem Haus beinahe verpasst hätte, und lese die Bibelstelle nochmal. Und dann immer und immer wieder den selben Satz: "Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen."

Laut der Anleitung soll ich nach dem Lesen der Bibelstelle ein Gespräch mit Gott darüber führen. Aber was kann ich dazu noch sagen? "Ja." Ja, ich bin ständig ganz von Dingen in Anspruch genommen. Ich würde wie Marta vor lauter Stress verpassen ihm zuzuhören, wenn Jesus bei mir in der Bude sitzen würde. Warte Jesus, ich muss erst kurz den Kühlschrank putzen, meine Steuerunterlagen abheften, möglichst effizient und produktiv arbeiten.

Ja, genauso lebe ich irgendwie immer noch ständig. Sogar wenn ich mir Mühe gebe, die Fastenzeit diesem Ziel widme und immer wieder meinen Prozess evaluiere. Sogar während ich eine ganze Kolumne zum Thema Fasten schreibe, lasse ich mich dauerhaft von irgendeinem Quatsch ganz in Anspruch nehmen.

Schriftbetrachtung

Als Theologin neige ich zu sehr verkopften Analysen biblischer Texte, die ich mir auch nicht nehmen lassen will. Aber der Vorschlag, einmal die Methode des Heiligen Ignatius auszuprobieren, fand ich sehr passend zu meinem Fastenvorsatz. Wie die Schriftbetrachtung funktioniert:

Und die immer näher kommende Deadline Ostern hilft da jetzt auch nichts mehr. "Im Moment leben" ist halt kein To-Do, dass man kurz vor knapp noch irgendwie fertigwurschteln kann.

Zu Beginn dieser Kolumne habe ich mich gefragt: "Wie viele kleine zauberhafte Alltagsmomente habe ich dieses Jahr schon verpasst? Diese Fastenzeit will ich sie alle erleben. Ich will alles erleben – mit Gott."

Natürlich habe ich dieses grandiose Ziel nicht erreicht. Aber das ist die falsche Perspektive. Ich habe mir ein Ziel gesetzt, meinen Prozess evaluiert und das Erlebnis als ein To-Do zum Abhaken gesehen. Dabei ging es doch nie um das Ankommen an einem Ziel, sondern um das Erleben des Weges. Und den habe ich erlebt. Eine Suche mit Rückschlägen, Wut, Frustration und jeder Menge Freude.

Schon vorbei?

40 Tage ohne Ablenkung wurden zu 40 Tagen der Suche nach Ruhe. Und diese Suche ist noch lange nicht abgeschlossen. Aber wenn ich zurückblicke, dann bin ich auch ein Stück des Weges vorangekommen. Was für ein Fortschritt, dass ich das Ende der Fastenzeit als ein "Schon?" betrachte und nicht als ein "Endlich!".

Also weiter geht's! Ich werde diese Fastenzeit nicht mit dem Ostersonntag abschließen, als Erfolg abhaken und zu alten Gewohnheiten zurückkehren. Und das hätte ich ohne das Reflektieren in dieser Kolumne, glaube ich, nie als Erfolg gesehen. Also danke ich Ihnen für die Begleitung auf diesem Weg, den ich auch nach Ostern weitergehen werde. Denn die Sehnsucht bleibt: "Ich will alles erleben – mit Gott."

Von Carina Adams

#fastenfeiern – 40 Tage ohne Ablenkung

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