Architekt Roland Schuster erhält in Passau den Ritterschlag

Ihre Zeit ist längst vergangen. Wofür einst ein Ritter stand – Tapferkeit, Schutz von Kirche und Armen, Tugenden wie Großmut und Mäßigung – ist vielleicht nicht ganz vergessen, aber doch im Wertekanon des 21. Jahrhunderts weit unten angesiedelt. Es scheint wie in dem surrealistischen Roman von Italo Calvino "Der Ritter, den es nicht gab". Eine hohle Rüstung, ein leerer Helm.
Wer heute von Rittern spricht, denkt an Turniere mit Stechlanzen und Gauklereien, romantische Burgen oder Rippchen-Essen wie anno dazumal. Aber es gibt tatsächlich noch Ritter. Nicht nur solche, die übers Wochenende Mittelalter spielen. Es gibt Menschen, die für ihren Glauben und ihre Kirche einstehen; die ernst machen mit der Sorge um Schwache.
Klar, man muss sich deswegen nicht religiös-kirchlichen Gemeinschaften aus der Kreuzfahrerzeit anschließen, wie dem Malteser- oder dem Deutschorden. Oder eben dem Sankt-Georg-Ritterorden. Man kann solche Haltungen auch für sich im Alltag leben. Aber es kann helfen, in einer Gruppe von Gleichgesinnten das ritterliche Fähnlein für tradierte, aber nicht weniger wichtige Werte hochzuhalten.
Eid, Umhang, tugendhaftes Leben
Roland Schuster aus dem niederbayerischen Büchlberg ist so einer. In wenigen Tagen legt der 62-Jährige seinen schwarzen Umhang mit dem roten Wappen und dem ungarischen Stephanskreuz an. Tritt vor den Deutschen Großprior und verpflichtet sich in einem Eid zum Einhalten der Regeln, einem tugendhaften Leben und zur Hilfe für die Bedürftigen. Und erhält seinen Ritterschlag.
Dann ist der Architekt und Stadtplaner mit 17 weiteren Frauen und Männern in den ersten weltlichen Ritterorden aufgenommen, wie ihn Ordenskanzler Andras Cseke nennt. Seit 700 Jahren verkörpert der ungarische Ritterorden zentrale europäische Werte. Gegründet 1326 von König Karl I. von Ungarn, war diese Gemeinschaft, so der heutige Kanzler, eine Innovation.
Bis heute gibt es Menschen, die sich als Ritter für ihren Glauben und die Kirche einsetzen.
Das Jubiläum begeht der Orden am 8. Mai unter dem Leitwort "Mut und Einheit" in Passau. Der feierliche Ritterschlag wird einen Tag später zelebriert, in der Klosterkirche Niedernburg. Dort liegt die selige Gisela (ca. 985-1065) begraben. Die Tochter eines bayerischen Herzogs war die erste Königin von Ungarn, wo sie als Nationalheilige verehrt wird. Deswegen erfolgen die Ritterschläge nur in Visegrad oder Passau.
Treue, Ehre, Gemeinschaft – solche Tugenden halten die etwa 150 Frauen und Männer im Georgs-Orden hoch. 1990 nach dem Fall des Eisernen Vorhanges reorganisiert, setzen sie auf Caritas, Aussöhnung, Bildung und die Förderung der Jugend, in Ungarn und Osteuropa.
"Sir Roland" geht es nicht ums Dekor
Solidarität, Einsatz für Menschen in Not: Deswegen hat Roland Schuster Ja gesagt, als er gefragt wurde, ob er Georgs-Ritter werden möchte. Freunde rufen ihn jetzt spaßhaft "Sir Roland". Aber er nimmt das richtig ernst. Ihm geht es nicht ums Dekor.
Die europäische Idee, Schwachen zu helfen, der Einsatz für die Gesellschaft und den Frieden. Verständigung zwischen den Völkern: Dafür steht der Chef eines Architekturbüros mit 15 Angestellten. Schon als Zivi in der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) hat ihn das umgetrieben.
„"Wenn ein Elon Musk inzwischen Billionär ist und gleichzeitig immer mehr Menschen hungern, kann etwas nicht mehr stimmen."“
Und Schuster hat ein ganzes Heer hinter sich stehen. Mit dessen Kraft könnte er sprichwörtlich die Mauern von Jericho umpusten. Er ist Vizepräsident des Musikbundes von Ober- und Niederbayern mit rund 25.000 aktiven Musikern in fast 700 Vereinen, Kapellen, Blasorchestern oder Fanfarenzügen.
Ritter Schuster bringt Power mit. Dem Sankt-Georgs-Orden anzugehören und bei dessen Aktionen mitzumachen, ist ihm eine Ehre. Was ihm weh tut: wenn Kirchenbänke sich leeren, Gotteshäuser zum Verkauf stehen. Der Glaube bedeutet ihm viel.
Weltverbesserer aus Überzeugung
Sorgen macht ihm, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft: "Wenn ein Elon Musk inzwischen Billionär ist und gleichzeitig immer mehr Menschen hungern, kann etwas nicht mehr stimmen." Ausländerfeindlichkeit kennt er auch von seinen Baustellen. Wegen all dem will er tatsächlich die Welt verbessern.
Ob es ihm gelingt, weiß er nicht. Aber Ritter Roland wird seinen Mann stehen.