Journalistin: Papst Leo XIV. wühlt Dinge auf
Die Journalistin und Vatikan-Korrespondentin Elise Ann Allen glaubt, dass Konflikte zwischen Papst Leo XIV. und Staatsoberhäuptern unausweichlich seien. "Ich glaube, es ist unvermeidbar. Leo ist nicht blind. Das Papsttum zu akzeptieren war ein großes Ding für ihn. Ich glaube, er hat sehr wohl das Gewicht dieser Verantwortung verstanden, in die er sich begeben hat", erklärte Allen in einem Interview zu ihrer Biografie über Papst Leo XIV. mit dem "Time Magazine" am Dienstag. Sie glaube auch, dass er sich auf Gegenwind aus der Politik vorbereite. "Einige Länder in Afrika, die wir besucht haben, sind bekannt für ihre autoritären Oberhäupter. Den Satz, den er sagte: 'die Welt wird von einer Handvoll Tyrannen verwüstet', die hat er in Äquatorialguinea vor dem Präsidenten und dem Sohn des Vizepräsidenten gesagt, die während der Messe in der ersten Reihe saßen. Er wühlt die Dinge auf."
Allen kennt Leo XIV. bereits seit Dezember 2018, als dieser noch Bischof in Peru war. Sie traf ihn damals in der Hauptstadt Lima, um über die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche in Peru zu sprechen. "Die Situationen, die er als junger Missionar und Bischof navigieren musste, waren sehr komplex. Seine Einstellung war, dass man sich nicht in allem einig sein muss, aber man zu einem Konsens kommen sollte, damit die Bevölkerung nicht leidet", betonte sie. Er sei schon immer unter dem Radar geflogen, spreche aber Probleme an, wo er es für nötig halte. Das habe sich auch in den Streitigkeiten mit US-Präsident Donald Trump Mitte April gezeigt. "Er ist der Typ Mensch, der keinen Streit anfängt, aber auch vor keinem zurückschreckt, wenn es so weit kommt", so Allen.
Fehlende Angst vor Konfrontation
Allen zeiget sich in dem Interview überzeugt, dass Leo seine direkte und ehrliche Art und die fehlende Angst vor Konfrontation auch ins Papsttum geholfen hätten. "Ich denke, dass das Kardinalskollegium den Einfluss von Donald Trumps Entscheidungen und seiner Art, die Geopolitik aufzuwühlen, mit Sorge für alle betrachtet hat. Und ihr Gedankengang war, wer könnte es mit diesem Kerl aufnehmen, wenn es notwendig ist, und wem wird gleichzeitig Respekt und Gehör gegeben?"
Elise Ann Allen arbeitet als Vatikan-Korrespondentin für das US-amerikanische Magazin "Crux". Ihre kürzlich erschienene Biografie ist die erste, an deren Entstehung Papst Leo XIV aktiv als Interviewpartner teilnahm. (ayo)
