Erzbischof von Moskau tritt überraschend zurück

Der Moskauer Erzbischof Paolo Pezzi ist überraschend zurückgetreten. Am Samstag teilte der Vatikan mit, dass Papst Leo XIV. den Rücktritt des 65-jährigen Erzbischofs angenommen hat. Das Erzbistum wird übergangsweise von seinem Weihbischof Nikolai Dubinin geleitet, der vom Papst zum Apostolischen Administrator ernannt wurde. Laut der russischen Bischofskonferenz sind gesundheitliche Gründe der Hintergrund für den Rücktritt. Nähere Angaben machte sie nicht.
Pezzi leitete seit 2007 das Erzbistum Mutter Gottes von Moskau, das den nordwestlichen Teil Russlands umfasst. Mit 65 Jahren ist Pezzi noch zehn Jahre von dem Alter von 75 Jahren entfernt, in dem Bischöfe gehalten sind, dem Papst den Rücktritt anzubieten. Der Apostolische Adminitrator Dubinin ist der erste russischstämmige katholische Bischof Russlands seit mehr als 100 Jahren.
"Wir rufen alle Gläubigen dazu auf, sich im Gebet der aufrichtigen Dankbarkeit für den langen und treuen Dienst von Erzbischof Paolo sowie um die notwendige Gnade für ihn zu vereinen, um Gottes Hilfe und die Unterstützung des Volkes Gottes für Bischof Nikolai in dieser Übergangszeit, um Einheit und Eintracht für unsere Ortskirche und darum, dass Gott ihr durch die Entscheidung des Heiligen Vaters einen neuen Oberhaupt schenke, der ein 'Mann nach seinem Herzen' sei (vgl. Apg 13,22)", heißt es in der Erklärung der Bischofskonferenz.
Kritisch zum Krieg
Der gebürtige Italiener Pezzi ist seit 1993 in Russland, wo er zunächst als Hochschullehrer und in der Priesterausbildung tätig war. Seit 2011 ist er russischer Staatsbürger. Er gehört der Priesterbruderschaft der Missionare des heiligen Karl Borromäus an. Von 2011 bis 2017 und erneut seit 2020 ist er Vorsitzender der russischen Bischofskonferenz.
Im Februar 2022 veröffentlichte die russische Bischofskonferenz eine Erklärung zum Krieg gegen die Ukraine, mit der die Entscheidungsträger dazu aufgerufen wurden, den Konflikt zu beenden. Priester wurden darin aufgefordert, eine Messe für den Erhalt von Frieden und Gerechtigkeit zu feiern. Anlässlich der Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte im September 2022 äußerte sich Pezzi als Konferenz-Vorsitzender für russische Verhältnisse deutlich: "Die Auseinandersetzungen in der Ukraine haben sich zu einem umfassenden militärischen Konflikt ausgeweitet, der bereits Tausende von Menschenleben gefordert, das Vertrauen und die Einheit zwischen Ländern und Völkern untergraben hat und die Existenz der ganzen Welt bedroht." Die Teilnahme am Krieg bezeichnete die Erklärung als Gewissensfrage.
Das Erzbistum Moskau wurde 1991 zunächst als Apostolische Administratur für das Europäische Russland errichtet. 2002 wurde die Administratur zum Metropolitan-Erzbistum erhoben. Es umfasst eine Fläche von 2,6 Millionen Quadratkilometern. Von den 58 Millionen Einwohnern sind 70.000 katholisch. Etwa 50 Diözesan- und 70 Ordenspriester sind in den 51 Pfarreien tätig. Dazu kommen knapp 200 Ordensleute. (fxn)