Im Alter von 85 Jahren

Ex-Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz gestorben

Veröffentlicht am 04.05.2026 um 16:56 Uhr – Lesedauer: 

Warschau/Przemysl ‐ Seine Versöhnungsgeste mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. ging in die polnisch-russische Geschichte ein. Nun starb der langjährige Leiter der Polnischen Bischofskonferenz, Jozef Michalik.

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Der ehemalige Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jozef Michalik, ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 85 Jahren, wie die Bischofskonferenz am Montag in Warschau mitteilte. Von 2004 bis 2014 leitete Michalik den polnischen Episkopat. Von 2011 bis 2014 war er zudem Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), dem Zusammenschluss der Vorsitzenden der römisch-katholischen Bischofskonferenzen des Kontinents.

Geschichte schrieb Michalik 2012 durch eine Versöhnungsgeste mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. Im prunkvollsten Saal des Warschauer Königsschlosses unterzeichneten er und das Moskauer Kirchenoberhaupt damals eine "Gemeinsame Botschaft an die Völker Russlands und Polens". Michalik und Kyrill riefen die seit Jahrhunderten verfeindeten Nationen Polen und Russland auf, einander als Freunde und Brüder zu sehen.

"Köpfe und Herzen für Verzeihung öffnen"

Der Erzbischof warb auch zwischen der Ukraine und Polen für eine gegenseitige Vergebung von Verbrechen und "ethnischen Säuberungen" im Zweiten Weltkrieg. Polen und Ukrainer sollten die "Köpfe und Herzen für die gegenseitige Verzeihung und Versöhnung" öffnen, hieß es 2013 in einem gemeinsamen Dokument, das neben Michalik auch der Vorsitzende der römisch-katholischen Bischofskonferenz der Ukraine, Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki, und für die ukrainische griechisch-katholische Kirche deren Oberhaupt, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, unterschrieben.

2013 sorgte Michalik für einen Skandal, als er vor Journalisten kaputte Beziehungen zwischen den Eltern für sexuellen Kindesmissbrauch mitverantwortlich machte. So ein Kind suche Liebe, "es lehnt sich an (...). Und es verliert sich selbst und zieht noch einen anderen Menschen da hinein", so der Erzbischof damals. Sechs Stunden später nahm er die Äußerung bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz zurück: "Ich entschuldige mich für das Missverständnis. Ein Kind ist unschuldig und darf nicht zum Opfer werden."

Studium in Warschau und Rom

Michalik, am 20. April 1941 in Zambrow 120 Kilometer nordöstlich von Warschau geboren, trat mit 17 Jahren – unmittelbar nach dem Abitur – ins Priesterseminar seines Heimatbistums Lomza ein. Nach der Priesterweihe studierte er in Warschau und dann in Rom, wo er 1972 promovierte.

1986 wurde er Bischof im westpolnischen Gorzow (Landsberg). Von 1993 bis 2016 war er Erzbischof von Przemysl im Südosten des Landes direkt an der Grenze zur Ukraine. Michalik wird am Samstag in der Krypta der Kathedrale von Przemysl beigesetzt, wie das örtliche Erzbistum mitteilte. (KNA)