Standpunkt

Ein Lob auf die katholischen "Auslandsgemeinden"

Veröffentlicht am 02.03.2026 um 04:20 Uhr – Von Andreas Püttmann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Auf Gran Canaria hat Andreas Püttmann eine lebendige deutsche "Auslandsgemeinde" mit einem engagierten Seelsorger erlebt. Dort habe sich gezeigt, dass eine schrumpfende Kirche als "Geh-hin-Kirche" präsent bleiben müsse.

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Das Zweite Vatikanische Konzil legte Wert darauf, dass die Gläubigen Gottesdienste in ihrer Muttersprache mitfeiern können. Da liegt es nah, dass der Verband der Diözesen auch dort im Ausland, wo es viele deutschsprachige Katholiken gibt, für so ein Angebot Sorge trägt, auch zur Sakramentenspendung und seelsorglichen Begleitung. Schon mehrmals habe ich solche "Auslandsgemeinden" erlebt, zuletzt besonders beeindruckend auf Gran Canaria.

Jährlich eine Million Touristen aus der deutschen Sprachfamilie besuchen die Insel, weitere rund 8.000 leben als Residenten länger dort – nicht wenige auch, weil das Kanarenklima Entzündungsleiden lindern kann. Der von mehreren Konfessionen und Nationalitäten genutzte "Templo Ecuménico" in Playa del Ingles liegt nur wenige Gehminuten vom weitläufigen Strand entfernt inmitten der "Bettenburgen". Der 1970 vollendete Kirchbau in Gestalt eines umgekippten Schiffs mit Holzdecke läuft auf ein prächtiges buntes Fenster hinter dem elf Tonnen schweren, naturbelassenen Altarstein aus den Bergen zu. Besonders in der Abendsonne hat der Raum "Gänsehautfaktor". Christus, Licht der Welt, Fels, Eckstein!

Der Pfarrer, Monsignore Axel Werner aus dem Erzbistum Köln, ist ein Menschenfischer. Unterstützt von etwa 30 Ehrenamtlichen, geht er auch "an die Ränder", zu auf der Insel "Gestrandenten", feiert mit Obdachlosen in den Höhlen der Berge die Messe, sammelt Spenden bei Fanclubs deutscher Fussballvereine, zieht aus der Kirche in Deutschland Ausgetretene an, versendet per WhatsApp ein "Wort zum Sonntag", bietet Kasualien, Rosenkranz, Glaubensgespräche im Pfarrhaus, Frühschoppen nach der Sonntagsmesse, Kirchenkonzerte, Bücherei-Dienste, Wallfahrten und Ausflüge ins Landesinnere an. Oft sind sie ausgebucht.

Zu einem "Tag der katholischen deutschsprachigen Seelsorge" am 8. Februar kam Weihbischof Cristóbal Déniz Hernández aus Las Palmas – sichtlich bewegt von der überfüllten Kirche und kräftigem Gesang. Da wurden Katholizität und Völkerverständigung sinnfällig. Aber auch wie wichtig es ist, dass schrumpfende Kirchen sich nicht auf eine "Komm-her"-Grundversorgung zurückziehen, sondern als "Geh-hin-Kirche" präsent bleiben, wo viele Menschen sind – am besten solche mit mehr Zeit als üblich, offen für Sinnsuche in Gemeinschaft fern der Heimat.

Von Andreas Püttmann

Der Autor

Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler und freier Publizist in Bonn.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.