Pfarrer aus Minneapolis: "Die Situation ist erschütternd"
Angesichts von Protesten, Verunsicherung und wachsender Angst in Minneapolis schildert Pfarrer Kevin Kenney von der Innenstadtgemeinde eine dramatische Zuspitzung der Lage. In vielen Stadtteilen wagten Menschen kaum noch, ihre Häuser zu verlassen, erklärt Kenney gegenüber katholisch.de. "Essen wird ausgeliefert, Kinder zur Schule begleitet, viele haben Angst, zur Arbeit zu gehen." Stark betroffen seien vor allem lateinamerikanische Gemeinden: Dort sei die wöchentliche Teilnahme an Gottesdiensten um 50 bis 70 Prozent zurückgegangen. "Die Situation ist erschütternd", sagt der Pfarrer. "Wir können nur beten, dass es besser wird."
Hintergrund ist der Tod des 37-jährigen Krankenpflegers Alex Jeffrey Pretti, der am vergangenen Wochenende von einem Bundesagenten der Grenzpolizei ICE in Minneapolis erschossen wurde. Er ist das zweite Todesopfer innerhalb von zwei Wochen. Anfang Januar kam die unbewaffnete Mutter Renée Good durch einen tödlichen Schuss eines Beamten der Grenzpolizei ums Leben.
Angst und Verzweiflung
Konkrete Hilfe in Minneapolis nach den Vorfällen blieb laut Kenney nicht aus: In der gesamten Erzdiözese sammelten Pfarreien Lebensmittel, Haushaltswaren und andere lebensnotwendige Güter für Betroffene. Gleichzeitig seien Gebetsgottesdienste, Kundgebungen und interreligiöse Treffen zu wichtigen Orten der Gemeinschaft geworden. Besonders eindrücklich sei ein interreligiöser Gebetsgottesdienst gewesen, der "tief bewegend und wunderschön" gewesen sei, so der Geistliche.
Viele Menschen trügen Angst, Verzweiflung und Wut in sich. Der Tod von Pretti habe zugleich viele wachgerüttelt – auch mit Blick auf Fehlinformationen, die kursierten. Kenney betont die Solidarität innerhalb Minnesotas und die Unterstützung aus dem Ausland. "Die Menschen hier sind fürsorglich", sagt er. Jetzt sei vor allem eines nötig: Gebet. Die Kirche werde weiterhin an der Seite der Menschen stehen. (mtr)
