Hilfswerke über Lage nach Maduro-Verhaftung

Adveniat-Chef Maier: Angst in Venezuela ist groß

Veröffentlicht am 05.01.2026 um 15:49 Uhr – Lesedauer: 

Essen ‐ In Venezuela leben die Menschen in Angst. Das hat nicht nur mit dem Militärschlag der USA am Wochenende zu tun, sagt der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Martin Maier. Auch Misereor äußerte sich zur Situation.

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Nach dem Militärschlag der USA und der Inhaftierung von Staatschef Nicolás Maduro ist die Lage in Venezuela weiter angespannt. "Die Menschen haben Angst", sagte der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Martin Maier, am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Essen. "Niemand traut sich, auf der Straße offen zu sprechen, schon gar keine Kritik am Regime zu äußern."

Dort führten nach wie vor die sogenannten Colectivos, die Schlägertrupps der weiterhin regierenden Administration, Kontrollen durch, sagte Maier. "Die Menschen befürchten, dass die Repression noch weiter steigt, und ihre Situation noch dramatischer wird. Deswegen kam es bereits zu Hamsterkäufen."

Ob es an der Grenze zum Nachbarland Kolumbien zu neuen Migrationsbewegungen komme, sei bislang unklar, sagte der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. "Natürlich kann die Angst vor Repression durch das nach wie vor regierende Regime oder vor weiteren Angriffen der USA dazu führen, dass noch mehr Menschen das Land verlassen." Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass bereits mehr als acht Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner infolge der schweren Staats- und Wirtschaftskrise nach dem Amtsantritt von Maduro geflohen seien. "Wer also die Möglichkeiten hatte, ist nicht mehr im Land."

Wie geht es weiter?

Ähnlich wie Maier schätzte die Venezuela-Länderreferentin von Misereor, Barbara Schirmel, die Situation gegenüber der KNA ein. Zwar würden die Ausgangssperren nach und nach gelockert; aus Sorge vor Repressionen und Gewalt verließen die Menschen jedoch nur für unbedingt notwendige Erledigungen wie etwa die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten ihre Wohnungen.

Sowohl Adveniat wie auch Misereor können laut eigenen Angaben ihre Arbeit in dem südamerikanischen Land einstweilen weiter fortsetzen. Misereor-Länderreferentin Schirmel betonte allerdings, dass die USA mit der Festnahme von Präsident Maduro und seiner Frau Cilia Flores keinen Regimewechsel anstrebten, sondern eine Regierung installieren wollten, die den USA unter anderem Zugriff auf die Rohstoffe, insbesondere die reichen Erdölvorkommen gewähre. "Was das langfristig für die Menschen vor Ort bedeutet, ist völlig unklar."

Ebenso unklar sei, welche Folgen das Vorgehen der USA für die vielen im Exil lebenden Venezolaner habe, so Schirmel weiter. Es sehe derzeit nicht danach aus, dass Demokratie und Menschenrechte durch neue Köpfe an der Spitze wieder mehr Beachtung fänden. "Gleichzeitig könnte das Eingreifen der USA für viele Geflüchtete bedeuten, dass sie in ihren Aufnahmeländern noch weniger willkommen sind und erzwungene Rückführungen in die Wege geleitet werden." (mal/KNA)

5.1., 16:35 Uhr: ergänzt um Misereor.