Theologisches Studienjahr wird in Jerusalem und Rom fortgesetzt

Zwei Wochen nach Ausbruch des neuen Krieges im Nahen Osten hat die Jerusalemer Dormitio-Abtei zusammen mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Deutschen Botschaft in Tel Aviv ausreisewilligen Studierenden des Theologischen Studienjahres eine "unterstützte Ausreise auf freiwilliger Basis" angeboten. Das haben acht der zehn Teilnehmer angenommen und sind am Samstag, besonders gesichert, auf dem Landweg ins ägyptische Scharm-El-Scheik gereist und von dort nach Rom geflogen.
Der Lehrbetrieb des 52. Jerusalemer Studienjahres wird nun an zwei Orten fortgesetzt: in der Jerusalemer Dormitio-Abtei sowie im neuen Ausweichquartier "Belmonte", einem kirchlichen Gästehaus am Stadtrand von Rom. Künftig können Dozenten aus dem deutschen Sprachraum in Rom ihre Lehrveranstaltungen halten, denen sich die in Jerusalem verbliebenen Studenten zuschalten. Umgekehrt klinken sich bei Referenten in Jerusalem die Teilnehmenden aus Rom ein.
"Gute individuelle Lösungen"
Abt Nikodemus Schnabel von der Dormitio-Abtei dankte den Studierenden und Lehrenden für den gemeinsamen Umgang in den vergangenen beiden Kriegswochen. Er äußerte sich glücklich, dass durch das unterstützte Ausreiseangebot auf freiwilligen Basis "für jeden einzelnen eine gute individuelle Lösung gefunden werden konnte".
Wegen der Krise und Unsicherheit in der Region und der Einschränkung des Flugbetriebs konnten in den vergangenen Wochen etliche Dozenten nicht nach Jerusalem kommen und mussten ihre Vorlesungen und Seminare online anbieten. Zudem waren einige Studierende durch den Kriegsbeginn verunsichert. Manchen war die gemeinsame Fortsetzung des Lehrprogramms wichtig. Mit den acht Studenten des christlichen Studienjahres reisten auch die Teilnehmer der muslimisch-christlichen Werkwochen ab. Sie waren nach Abschluss ihres Programms in der Dormitio kriegsbedingt in Jerusalem gestrandet.
Programm über zwei Semester
Seit den 1970er Jahren bietet das Jerusalemer Studienjahr für deutschsprachige Theologiestudierende ein Lehrprogramm über zwei Semester an. Schwerpunkte sind biblische Exegese und Archäologie, Ostkirchenkunde, Begegnung mit dem Judentum und dem Islam sowie Kirchen- und Zeitgeschichte. Das Studienjahr ist in der von deutschen Benediktinern geleiteten Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg untergebracht und wird durch DAAD-Stipendien unterstützt.
Das 52. Studienjahr hatte wegen des israelisch-iranischen Krieges 2025 ("Zwölftagekrieg") nicht wie üblich im August, sondern erst Mitte September begonnen. Seither konnten die zehn Studierenden jedoch alle vier vorgesehenen großen Exkursionen durchführen: nach Galiläa, in die Negev-Wüste und nach Jordanien. Dennoch äußerten sich die meisten der Ausreisewilligen beim Abschied von Jerusalem "enttäuscht und traurig", weil sie manche geplanten Besuche und Termine nicht mehr vor Ort wahrnehmen könnten. (KNA)