Es ist der ultimative Ökumene-Test – und wir fallen gerade durch
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Die Lesungen der vergangenen Wochen zeichneten Schritt für Schritt Jesu Weg zu seiner Passion und Auferstehung in Jerusalem nach. Es gehört kognitive Akrobatik dazu, dabei die gegenwärtige Situation im Nahen Osten auszublenden. Über eben diese Fähigkeit aber scheinen weite Teile der Katholiken in Deutschland in beeindruckendem Maße zu verfügen.
Die nicht enden wollenden Nachrichten über Krieg und Leid werden langweilig und stören außerdem die private Osteridylle. Wenn das Weltgeschehen beim obligatorischen Familienbesuch gestreift wird, dann regen wir uns lieber über steigende Benzinkosten auf oder lachen über den verrückten orangenen Mann im Weißen Haus.
Tatsächlich hören die Schreckensmeldungen nicht auf, doch es ist keine Dauerschleife – es ist eine nie dagewesene Gewaltspirale. Zu den Millionen Betroffenen zählen auch zahlreiche Christen. Sie gehören verschiedenen Konfessionen, vor allem aber der byzantinisch-orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirche an. Nach zwei Jahrtausenden droht ihre Präsenz endgültig unterzugehen.
Das faktische Verschwinden des Christentums im Irak haben wir bereits achselzuckend hingenommen. Nun droht auch das letzte christliche Dorf im Westjordanland ausgelöscht zu werden, der christlich geprägte Libanon weckt politische Begehrlichkeiten und die letzten syrischen Christen ringen ums Überleben. Die traurige Liste ließe sich fortsetzen.
Der Flächenbrand im Nahen Osten sollte keine kirchenpolitische Frage sein: Immerhin proklamieren "Progressive" wie "Konservative" weltweite Verbundenheit mit ihren christlichen Glaubensgeschwistern. Könnte es vielleicht sein, dass es im metaphorischen Eine-Welt-Laden unserer deutschen Ökumene ohnehin nie Platz für (orientalische) Orthodoxie gab? Dass uns nichts fehlt, wenn die arabischen, aramäischen und armenischen Christen fehlen?
Die orthodoxen Osterfeierlichkeiten letzten Sonntag gaben eindrucksvolles Glaubenszeugnis – aber wird es sie bald nur noch in Diaspora-Gemeinden geben? Wenn sich nichts ändert, muss dieser Teil der Ostkirchenkunde bald unter Kirchengeschichte abgehandelt werden. Wessen ökumenisches Herz da nicht blutet, der hat vielleicht nie ein solches gehabt.
Die Autorin
Valerie Judith Mitwali promoviert an der Ruhr-Universität Bochum in systematischer Theologie.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
