Begeisterung und Hoffnung bei Papstbesuch

Papst Leo XIV. in Kamerun auf Friedensmission in Konfliktregion

Veröffentlicht am 16.04.2026 um 15:46 Uhr – Von Severina Bartonitschek (KNA) – Lesedauer: 

Bamenda ‐ Der Papst geht als Friedensstifter in eine der schlimmsten Konfliktregionen Kameruns. Viele Menschen engagieren sich hier seit Jahren für eine bessere Zukunft. Ihnen machte Leo XIV. Mut – sie ihm aber offenbar ebenso.

  • Teilen:

"Holy Father, Holy Father", singen und jubeln die Menschen laut in der Kathedrale von Bamenda. Bei seinem Besuch am Donnerstag in Kameruns krisengeschüttelter Region Nordwest wird Leo XIV. euphorisch begrüßt. Im anglophonen Teil des Landes liefern sich Armee und Separatisten seit nunmehr zehn Jahren tödliche Kämpfe, bei denen bereits Tausende starben. Etwa eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht. Der Papst hat hierher zu einem Friedensgipfel eingeladen.

Franziskanerschwester Olivia ist sicher, dass der Besuch des Kirchenoberhauptes Frieden bringen wird. "Denn wenn man sich allein schon die Menschen ansieht, die hier im Publikum sitzen, ist das ein deutlicher Beweis dafür", sagt die Ordensfrau, die in einem örtlichen Kloster lebt. Bei dem Treffen in der Kirche sitzen Christen neben Muslimen und Angehörigen anderer Traditionen. Sie haben sich zu einer Bewegung zusammengeschlossen und versuchen seit geraumer Zeit, zwischen den gegnerischen Parteien zu vermitteln.

Konvent in einer Brennpunktgegend

Laut Schwester Olivia hat sich die Lage dadurch bereits etwas beruhigt. Ihr Konvent liege in einer Brennpunktgegend, in der es oft Schießereien gegeben habe, die Menschen flohen dann auch in ihr Kloster. Durch Dialog und Vermittlungsversuche sei dies weniger geworden. Aber: "Es wurde viel zerstört, und keine der Parteien sieht, dass es irgendwelche Fortschritte gibt", sagt die Franziskanerin.

„Sie tun so, als sähen sie nicht, dass Milliarden von Dollars verbraucht werden, um zu töten und zu verwüsten, dass man jedoch nicht die Mittel findet, um zu heilen, zu erziehen und wiederaufzurichten.“

—  Zitat: Papst Leo XIV.

Tatsächlich sei er hier, um den Frieden zu verkünden, richtet sich der Papst an die Anwesenden in der Kathedrale, "doch stelle ich fest, dass ihr es seid, die ihr ihn mir und der ganzen Welt verkündet". Der sonst eher zurückhaltende Leo XIV. wirkte sichtlich gelöst, voller Inbrunst wich er immer wieder von seinem Skript ab, um die Menschen in ihrem Engagement für eine bessere Zukunft zu bestärken.

Neben dem Lob für die interreligiöse Friedensinitiative hob Leo XIV. das Engagement vieler Freiwilliger hervor, die sich um die traumatisierten Menschen kümmern. "Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen."

"Milliarden von Dollars, um zu töten und zu verwüsten"

Leo XIV. prangerte an: "Sie tun so, als sähen sie nicht, dass Milliarden von Dollars verbraucht werden, um zu töten und zu verwüsten, dass man jedoch nicht die Mittel findet, um zu heilen, zu erziehen und wiederaufzurichten." Es sei eine verkehrte Welt, ein Zerrbild der Schöpfung Gottes, wenn ein Land seiner Ressourcen beraubt und die Gewinne in Waffen reinvestiert würden. Leo XIV. nannte dies eine "Spirale der Destabilisierung und endlosen Sterbens".

Das erlebte auch Schwester Angela, die in einem Heim nahe Bamenda seh- und körperbehinderte Schüler ausbildet. Durch die Krise seien einige Kinder und Jugendliche getötet, andere traumatisiert, und wieder andere von ihren Eltern nach Hause geholt worden und bis heute nicht an ihren Ausbildungsplatz zurückgekehrt. "Während der Auseinandersetzung wussten einige von ihnen gar nicht, was vor sich ging, weil sie nichts sehen. Einige von ihnen fragten sich also wirklich: 'Was passiert hier?'", erzählt sie.

Der kamerunische Präsident Paul Biya.
Bild: ©picture alliance/Pool/Blondet Eliot/Maxppp/MAXPPP/dpa (Archivbild)

Am Mittwoch war Papst Leo XIV. mit Kameruns Langzeit-Präsident Paul Biya zusammengetroffen.

Die Ordensfrau freut sich über den Besuch des Papstes mit der klaren Ansprache an die Politiker Kameruns am Vortag. Im Präsidentenpalast vor Langzeitherrscher Paul Biya (93) prangerte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch Korruption an, forderte, dem Land zu dienen und sich dem Gemeinwohl aller zu widmen. "Sicherheit ist eine Priorität, muss aber stets unter Achtung der Menschenrechte ausgeübt werden, in einer Verbindung von Strenge und Großzügigkeit, mit besonderem Augenmerk auf die Schwächsten", erklärte Leo XIV. Echter Frieden entstehe, wenn das Gesetz ein sicherer Schutzwall gegen die Willkür der Reichsten und Stärksten ist.

"In diesem Land leiden wir nicht, weil das Land kein Geld hat, sondern weil das Geld in den Taschen einiger weniger Menschen steckt", kritisiert Ordensschwester Angela. "Hier gibt es viele Ressourcen, aber es ist einfach so, dass die Machthaber nicht für das Gemeinwohl arbeiten." Für den Papstbesuch waren Teile der vernachlässigten Infrastruktur in der Region wiederhergestellt worden: neben Straßen auch der Flughafen, der 2020 wegen der Krise den Betrieb eingestellt hatte.

Kein wirklicher Grund zur Freude

Für Schwester Angela ist das jedoch kein wirklicher Grund zur Freude. Zwar sei die Straße, über die der Papst fährt, gut hergerichtet. "Aber die anderen Straßen haben sie nur ausgehoben und dann liegen lassen." Die Menschen vor Ort wüssten nicht, wie es weitergeht: "Wenn es stark regnet, werden wir sicher leiden, wenn sie die Arbeiten nicht fortsetzen."

Doch an diesem Donnerstag regnet es nicht. Und Leo XIV. wird noch einmal diesen Weg zurück zum Flughafen nehmen. Bei der Messe am späteren Nachmittag neben dem Rollfeld will er einmal mehr versuchen, den Menschen in Kamerun eine Botschaft der Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden zu bringen.

Von Severina Bartonitschek (KNA)