Was das Treffen von Papst Leo und Investigativjournalist Gore bedeutet
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Es war ein höchst ungewöhnliches Treffen, über das das vatikanische Presseamt ganz offiziell informierte: Papst Leo XIV. hat den britischen Investigativjournalisten Gareth Gore zu einer vierzigminütigen Privataudienz empfangen. Gore hatte 2024 ein Buch vorgelegt, in dem er dem Opus Dei diverse dunkle Machenschaften vorwirft. Das Opus Dei selbst hatte diese Vorwürfe als unzutreffend bezeichnet, Leo XIV. hatte schon kurz nach seiner Wahl die Spitze des Opus Dei empfangen.
Das jüngste Treffen sei laut Gore auf Wunsch des Papstes selbst zustande gekommen und von dem peruanischen Journalisten Pedro Salinas vermittelt worden. Dessen Berichterstattung hatte wiederum mit dazu geführt, dass Papst Franziskus im Januar 2025 die peruanische Gemeinschaft "Sodalicio de Vida Cristiana" auflöste, unter maßgeblicher Beteiligung des damaligen Kardinals Robert Francis Prevost. Gore selbst sagte, der Papst habe sein Buch über das Opus Dei als "sorgfältige Arbeit" gewürdigt.
Aus dem Vatikan hieß es nach dem Treffen, der Papst habe sich persönlich ein Bild davon machen wollen, was der Autor zu sagen habe. Jenseits dessen, was das Gespräch mit dem Journalisten konkret für die Zukunft des Opus Dei bedeutet, zeigt es, dass Leo XIV. kritischen Journalismus offensichtlich anders einschätzt als manche seiner Vorgänger. Schon in seiner ersten Audienz mit Journalisten nach dem Konklave hatte Leo XIV. den Wert der Pressefreiheit betont. Und tut das immer wieder.
Aus seinem Heimatland USA weiß er, wie wichtig Presse- und Meinungsfreiheit sind. Und er kann gerade beobachten, wie schnell eine kritische Medienlandschaft durch die Machthaber unter Druck gerät. Umso mehr ist es bedeutsam, dass der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri nicht nur kritische Berichterstattung toleriert, sondern würdigt – durch Worte und durch solche Treffen wie am Dienstag.
Die Autorin
Annette Zoch ist Politikredakteurin der "Süddeutschen Zeitung" und schreibt dort über Religion und Kirche.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
