Mutterkloster vor dem Aus: Es wird eng für die Trappisten in Europa
Es ist ein weiterer Tiefschlag für einen Traditionsorden der katholischen Kirche: Das Gründungskloster der Trappisten, die Abtei La Trappe in der Normandie, steht vor dem Aus. Schon 2028 könnten dort die Lichter ausgehen. Die Mönche des Klosters denken darüber nach, den Standort bis 2028 aufzugeben und wegzuziehen, wie französische kirchliche Medien aus einer Mitteilung des Ordens zitieren. Gründe seien mangelnde Wirtschaftlichkeit, Nachwuchsmangel und Überalterung.
Zuvor war demnach eine Initiative zur Rettung der Abtei gescheitert. Eine auf zwölf Millionen Euro taxierte Restaurierung historischer Gebäude sei an der Finanzierung gescheitert. Zuletzt sollten öffentliche Führungen durch das Kloster das Interesse junger Männer für die Lebensweise der Mönche wecken.
Die Trappisten sind hervorgegangen aus dem benediktinischen Reformorden der Zisterzienser, benannt nach dem 1098 gegründeten Kloster Cîteaux bei Dijon. Die Betonung von Handarbeit, Landwirtschaft und Urbarmachung von Böden gab dem Orden nicht zuletzt eine große Bedeutung bei der deutschen Ostsiedlung im Hochmittelalter.
"Zisterzienser der Strengeren Observanz"
Dem Geist der Zisterzienser entsprach es, ans Ende der Welt zu wandern, um sich in der Zurückgezogenheit der Wildnis ganz Gott zu weihen und in Landwirtschaft und Fischerei zu arbeiten. Seit 1892 bilden die Trappisten, offiziell die "Zisterzienser der Strengeren Observanz", einen eigenständigen Orden. Sie gehören zu den strengsten Orden der katholischen Kirche.
Die Ankündigung des wahrscheinlichen Wegzugs aus dem Gründungskloster wäre ein weiterer großer Rückschlag für den traditionsreichen Orden – ausgerechnet zum 400. Geburtstag seines Gründers: Am 9. Januar 1626 wurde Armand-Jean Le Bouthillier de Rancé in den französischen Hochadel hineingeboren. Sein Vater war der Privatsekretär von Königin Maria von Medici.
Der erste Trappist – ein Lebemann kehrt zurück zu strengen Wurzeln
Die Zisterzienser traten im 12. Jahrhundert als Erneuerer des Benediktinertums an. Karg und arbeitsam wollten sie leben – und taten es (zunächst) auch. Vor 400 Jahren wurde dann einer geboren, der es wieder härter wollte
Armand-Jean wurde auf die geistliche Laufbahn gesetzt – die im 17. Jahrhundert für Adlige mit automatischer Ämterhäufung einherging. Schon mit elf wurde er 1637 Domherr von Notre-Dame in Paris sowie Abt von fünf Abteien, darunter auch La Trappe. Als sogenannter Kommendatarabt, nicht mehr von der Klostergemeinschaft gewählt, sondern vom französischen König frei ernannt, bezog er allerdings lediglich aus der Ferne Einkünfte aus seinen Abteien, ohne Leitungsgewalt und Amtspflichten.
1654 promovierte Rancé an der Pariser Sorbonne. Er lebte am Hof des aufgehenden Sonnenkönigs Ludwig XIV. – und genoss das dortige Leben. Doch dann sein Damaskus-Erlebnis: Im April 1657 fand der geistliche Höfling seine Geliebte tot auf. Der Anblick soll seine Bekehrung gewesen sein. Er lebte fortan zölibatär – und auch sonst, wie ein Priester es eigentlich tun sollte. Sein Vermögen und seine Pfründe verteilte er nach und nach an andere.
1660 besuchte Rancé auch – damals durchaus unüblich – seine Zisterzienser-Abtei La Trappe in der Normandie. Und was er sah, gefiel ihm nicht: Verfall, baulich wie moralisch. Impulsiv, wie er war, schickte er die bisherigen Mönche kurzerhand weg und ersetzte sie durch andere, aus dem 40 Kilometer entfernten Reformkloster Perseigne. Im Mittelpunkt sollten wieder Gebet, regelmäßiges Fasten und körperliche Arbeit stehen.
Hohe Sterblichkeit
Aus Rancés Reformbemühungen ging schließlich eine besondere Zisterzienser-Gruppe hervor, deren Regeln 1678 von Papst Innozenz XI. anerkannt wurden. Allerdings gibt es in der jüngeren Geschichtsforschung auch kritischere Bewertungen des Abtes von La Trappe, der dort auch im Oktober 1700 starb. Der strenge Lebenswandel bewirkte eine hohe Sterblichkeit unter den Mönchen; auch sei die theologische Bildung beiseite gelassen worden.
Lange Zeit bestanden die Klöster der Reformströmung von La Trappe und jene der herkömmlichen Ordnung parallel nebeneinander. Unter dem gemeinsamen Dach des Zisterziensertums erlebten sie den totalen Kollaps der Französischen Revolution in Frankreich und Belgien und der Klosteraufhebung in den Habsburgerlanden und in Deutschland. Und unter dem gemeinsamen Dach begann auch im 19. Jahrhundert ein beeindruckender Neubeginn. Doch die beiden Traditionen hatten sich auseinandergelebt.
Die Zisterzienser im deutschsprachigen Raum legten ihren neuen Schwerpunkt mehr in der Pfarreiseelsorge, während die zumeist französischsprachigen Trappisten dies nicht in der traditionellen Ordensregel angelegt sahen. Mehr als die deutschen Niederlassungen lieferten sie in Handarbeit etwa Käse, Biere, Wein, Öle, Liköre, Kräuter und Heilmittel.
Viele Trappistenklöster wurden auch wegen ihres Biers berühmt.
1892 erfolgte eine Neuaufteilung: Die drei französischsprachigen Kongregationen verbanden sich zum "Orden der Reformierten Zisterzienser Unserer Lieben Frau von La Trappe" – der sich damit vom hergebrachten Zisterzienserorden trennte. 1902 schließlich bekam der Orden seine endgültige Bezeichnung "Zisterzienser von der strengeren Observanz".
Doch zuletzt mussten bereits zahlreiche Abteien schließen, so in Frankreich Notre-Dame Port-du-Salut und Oelenberg im Elsass (beide 2024) sowie Bellefontaine 2026; das jeweils einzige Trappistenkloster Deutschlands und Österreichs, Mariawald in der Eifel (2018) und Engelszell (2025). Zwei Frauenklöster gibt es noch in Deutschland: die Abtei Maria Frieden in Steinfeld in der Eifel und das Kloster Gethsemani im pfälzischen Dannenfels. Auch in Belgien und in den Niederlanden wurden und werden einst wichtige Standorte geschlossen, etwa Achel, Zundert und Tegelen.
Käse, Biere, Kräuter
Das ist nicht nur ein großer geistlicher und kultureller, sondern auch ein permanenter kulinarischer Verlust. Denn Trappistenabteien produzieren nicht nur individuelle renommierte und beliebte Käsesorten, sondern auch besondere Biere. Inzwischen gibt es nur noch acht Klöster, in denen noch sogenannte authentische Trappistenbiere gebraut werden.
Für das entsprechende Siegel der Internationalen Trappistenvereinigung "Authentic Trappist Product" (ATP) müssen die obergärigen Biere innerhalb einer Trappisten-Abtei und unter Verantwortung des Ordens gebraut werden. Das heißt immerhin: Manche Trappistenbiere gibt es weiter - aber "authentisch" sind sie nicht mehr.
In Afrika und in Asien entstanden dagegen in den vergangenen Jahrzehnten neue Klöster. Zuletzt gab es laut Ordensangaben weltweit rund 100 Männer- und 75 Frauenklöster der Trappisten – was zwar mehr als eine Verdoppelung binnen 75 Jahren bedeutet. Zugleich ging allerdings die Zahl der Ordensleute deutlich zurück, auf rund 1.350 Trappisten und 1.300 Trappistinnen weltweit.
