Eine Nationalhymne würde man auch nicht personalisieren

Kardinal warnt vor eigenmächtigen Änderungen in der Liturgie

Veröffentlicht am 13.04.2026 um 12:05 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Aus der Liturgie heraus soll deutlich werden, was die Kirche glaubt, betont der ehemalige Liturgiepräfekt, Kardinal Francis Arinze. Deshalb dürfe man nichts hinzufügen und nichts weglassen – auch wenn es gut gemeint ist.

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Der emeritierte Liturgiepräfekt Francis Arinze warnt vor eigenmächtigen Änderungen in der Liturgie. Wenn die Liturgie gut zelebriert werde, zeige die Zelebration, was die Kirche glaube, sagte der Kardinal in einem Interview mit dem konservativen Online-Medium "Per Mariam". Wenn ein Priester nicht approbierte Teile der Messe hinzufüge oder vorgeschriebene Elemente weglasse, führe er der Kirche Schaden zu. "Auch wenn seine Absicht vielleicht gut war – vielleicht dachte er: 'Ich möchte die Messe interessant gestalten. Ich möchte sie, wie manche sagen, persönlicher gestalten' –, ist das ein Fehler. Er liegt falsch", so Arinze weiter.

Man müsse sich immer vor Augen führen, wie ein Gottesdienst auf Menschen wirke, die keine Christen seien: "Ein Priester, der bei der Messe nachlässig ist, vermittelt einem Nichtchristen, der zufällig anwesend ist, ein sehr schlechtes Bild vom Christentum, da er die Messe nicht so gefeiert hat, dass sie unseren Glauben widerspiegelt." Jeder Beobachter müsse erkennen, dass in der Liturgie etwas sehr Großes gefeiert werde.

Reife, Ernst und Respekt

Der aus Nigeria stammende Kardinal verglich die Liturgie mit einer Nationalhymne. "Wie würde man eine Nationalhymne persönlicher machen?", fragte er. "Die Worte stehen fest. Man kann nicht einfach neue Wörter einfügen, auch wenn man ein Sprachexperte ist. Wie viel mehr gilt das bei den heiligen Mysterien?" Wer in der Liturgie beteiligt ist, solle sich daher stets der Bedeutung der Angelegenheit bewusst sein und mit einem Geist der Reife, Ernsthaftigkeit und des Respekts feiern.

Francis Arinze wurde 1932 in Nigeria geboren. 1965 ernannte ihn Papst Paul VI. (1963–1978) zum Koadjutorbischof von Onitsha. Dadurch konnte er 1965 an der letzten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils teilnehmen. Arinze ist einer von vier noch lebenden Konzilsvätern. 1967 wurde er Erzbischof von Onitsha. 1984 wechselte er als Präsident des Sekretariats für die Nichtchristen an die römische Kurie, 1985 nahm ihn Papst Johannes Paul II. (1978–2005) ins Kardinalskollegium auf. Von 2002 bis 2008 war er Präfekt der Liturgiekongregation. In dieser Funktion hatte er sich dafür ausgesprochen, mehr Gottesdienste auf Latein zu zelebrieren. Die Sprache sei zwar nicht der Mittelpunkt der Heiligen Messe, doch sei sie "sehr wichtig für eine schöne Feier". (fxn)