Neues Oberhaupt der Chaldäer in Bagdad in sein Amt eingeführt

In Bagdad ist der neue chaldäische Patriarch Paul III. Nona offiziell in sein Amt eingeführt worden. An der Zeremonie in der Josefskathedrale der irakischen Hauptstadt nahm am Freitag auch der Chef der vatikanischen Behörde für die Ostkirchen, Kardinal Claudio Gugerotti, teil. Angesichts der historischen und politischen Herausforderungen im Nahen Osten dürfe die Stimme der mit Rom unierten chaldäischen Kirche nicht verstummen, betonte Gugerotti laut Vatican News in seinem Grußwort.
Amel Shamon Nona war bei der Synode der chaldäischen Bischöfe im April zum Nachfolger des seit 2013 amtierenden Patriarchen Kardinal Louis Raphael Sako gewählt worden und nahm den Namen Paul III. an.
Der 1967 in Alqosh im Nordirak geborene Nona studierte Theologie unter anderem an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom und wurde 1991 in Bagdad zum Priester geweiht. Später lehrte er als Professor für Anthropologie und übernahm verschiedene Leitungsaufgaben innerhalb der chaldäischen Kirche.
Bekannt durch IS-Gewalt
Internationale Bekanntheit erlangte Nona als Erzbischof von Mossul. Dort erlebte er 2014 die Vertreibung der christlichen Bevölkerung durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und musste wie viele andere Christen der Ninive-Ebene ins Exil gehen. In den folgenden Jahren setzte er sich wiederholt für die verfolgten Christen im Nahen Osten ein. Ab 2015 an leitete er die chaldäische Erzdiözese in Australien.
Kardinal Louis Raphael I. Sako trat im März zurück.
Der Präfekt des Ostkirchen-Dikasteriums sicherte dem neuen Patriarchen die Unterstützung des Heiligen Stuhls zu. Der Vatikan wolle dazu beitragen, "das zu stärken, was dieser Kirche hilft, ihre Mission erneut zu erfüllen" – eine Mission, die sich angesichts der weltweiten Diaspora längst über den Irak hinaus erstrecke und für viele Menschen eine Quelle der Inspiration bleibe.
Die Geschichte der chaldäisch-katholischen Kirche reicht bis in die ersten Jahrhunderte des Christentums zurück. Sie bewahrt ihre eigene liturgische Tradition, erkennt zugleich aber den Primat des Papstes an. Heute zählt sie weltweit rund 650.000 Gläubige. Ihr Patriarchat hat seinen Sitz in Bagdad, während ein großer Teil der Gläubigen inzwischen in der Diaspora lebt, insbesondere in den USA, Australien und Westeuropa. Bedeutende Gemeinden bestehen zudem im Irak, in Syrien, im Libanon und im Iran.
Gugerotti würdigte das "gewaltige Erbe" der chaldäischen Kirche angesichts der schwierigen Lage im Irak und in der Region. "Wir wollen und können nicht hinnehmen, dass die Stimme der chaldäischen Kirche aufgrund historischer oder politischer Umstände verstummen muss", sagte der Kardinal. Das Heilige Land solle weiterhin ein Ort sein, an dem lebendige christliche Gemeinschaften ihren Glauben bezeugen. (KNA)