Vom alternativen Osterhasen bis zum Fischbegräbnis
Australien: Osterhase mit Rüsselnase
In Australien bringt zu Ostern nicht der Osterhase die Eier, sondern der Bilby. Das einheimische Beuteltier ähnelt mit den großen Ohren, dem Fell und den Schnurrhaaren zwar seinem europäischen Pendant, ist jedoch durch seine markante Rüsselnase und den Beutel unverwechselbar. Wie es zu diesem alternativen Ostersymbol kam? In den 1990er-Jahren starteten australische Naturschutzorganisationen Kampagnen wie "Bilbies not bunnies", um den Bilby als Ostertier bekannt zu machen und auf seinen Schutzbedarf aufmerksam zu machen. Hintergrund ist die seit dem 19. Jahrhundert bestehende Wildkaninchenplage: Von europäischen Siedlern eingeschleppt, bedrohen die Tiere zahlreiche heimische Arten, darunter auch den Bilby. Heute leben im Land rund 300 Millionen Wildkaninchen, aber nur etwa 10.000 Bilbys. Seitdem werden zu Ostern unter anderem Schokoladen-Bilbys verkauft, dessen Erlös in Schutzprojekte und Zuchtprogramme fließt.
Mexiko: Zum Glück landet das Ei auf dem Kopf
An Ostern landen bemalte Eier in Mexiko nicht nur im Osternest, sondern manchmal auch auf dem Kopf: Die Eier werden dafür ausgehöhlt und mit Konfetti, Mehl oder kleinen Spielzeugen gefüllt. Die verzierten "Cascarones" werden Freunden und Familienmitgliedern über dem Kopf zerschlagen, um ihnen Glück für das kommende Jahr zu wünschen. Der Name Cascarones leitet sich vom spanischen Wort cascarón ab, was "Eierschale" bedeutet. Ihren Ursprung haben sie jedoch viel weiter östlich: Über den Händler Marco Polo kamen die Eier aus China nach Europa, wo sie mit parfümiertem Pulver gefüllt und verschenkt wurden. In Italien entwickelte sich daraus ein spannender Brauch: Männer warfen die süßlich duftenden Eierschalen auf ihre Angebeteten. Von Italien aus verbreitete sich die Tradition nach Spanien und gelang schließlich nach Mexiko. Dort hat er sich zu einer ausgelassenen, lauten Tradition entwickelt, die nicht nur zu Ostern, sondern auch an Karneval, Geburtstagen oder anderen Festen für jede Menge Spaß sorgt und Jung wie Alt mit buntem Konfetti zum Lachen bringt.
Der polnische Brauch Smigus-Dyngus artet in einer nationalen Wasserschlacht aus.
Polen: Nationale Wasserschlacht
Am Ostermontag heißt es in Polen: Wasser marsch! Beim polnischen Brauch Śmigus‑Dyngus bleibt niemand trocken, weshalb der Tag auch "lany poniedziałek" – "Nasser Montag" – genannt wird. Dabei geht es nicht nur um Wasserpistolen oder Eimer über dem Kopf: Manchmal landet die Person gleich ganz im See oder wird mit einem Feuerwehrschlauch abgespritzt. Früher traf es vor allem Frauen, die sich erst am Osterdienstag an ihren Peinigern rächen durften. Heute hält sich kaum noch jemand an diese Regel, sodass der Feiertag in einer landesweiten Wasserschlacht endet. Zum Ursprung der Tradition gibt es verschiedene Theorien: Entweder geht sie auf alte slawische Rituale zurück, bei denen mit Wasser der Frühling begrüßt wurde, oder auf die Taufe von Mieszko I. im Jahr 966, als er am Ostermontag stellvertretend für ganz Polen zum Christentum konvertierte.
Griechenland: Es regnet Tontöpfe
Punkt elf Uhr am Karsamstag wird es laut auf der griechischen Insel Korfu: Mit einem ohrenbetäubenden Scheppern fliegen große, mit Wasser gefüllte Tontöpfe von Fenstern und Balkonen rund um den Spianada-Hauptplatz auf die Straße. Der Brauch heißt "Botides" und hat eine jahrhundertealte Tradition, die bis in die Zeit der venezianischen Herrschaft zurückreicht. Damals warfen die Venezianer zum Jahreswechsel alte Gegenstände aus ihren Häusern – ein symbolischer Akt, um sich vom Ballast des vergangenen Jahres zu trennen und Platz für Neues und Besseres zu schaffen. Auf Korfu wurde diese Tradition auf Ostern verlegt und die alten Gegenstände durch Tonkrüge ersetzt, vermutlich auch deshalb, weil sie beim Aufprall besonders viel Lärm machen. Sind alle Töpfe zerschellt, machen sich Einheimische und Besucher daran, Tonscherben als Glücksbringer aufzusammeln. Im Anschluss ziehen Musikorchester durch die ganze Stadt und spielen das Stück "Min fovaste Gräki" – "Habt keine Angst, Griechen", das endgültig die Osterfreude einläutet.
Die kleinen Hexen tragen alte Frauenkleider mit Schürzen, binden sich ein Kopftuch unter dem Kinn und malen sich Sommersprossen sowie rote Wangen ins Gesicht.
Schweden: Halloween im April
Am Gründonnerstag könnte man in Schweden denken, man habe sich im Monat geirrt: Als Hexen verkleidete Kinder, die "Påskkärring", ziehen von Haus zu Haus, sammeln Süßigkeiten und verschenken selbstgebastelte Osterkarten. Wann dieser Brauch entstanden ist, lässt sich nicht eindeutig sagen, doch Mitte des 19. Jahrhunderts war er in Schweden bereits weit verbreitet. Während früher auch Jugendliche und Erwachsene beteiligt waren, ist es heute ein Brauch für Kinder. Seinen Ursprung hat die Tradition in einem Volksglauben: Einer Legende nach wurden mit dem Verrat des Judas an Jesus alle bösen Mächte entfesselt. Der Teufel soll dieses Ereignis mit einem Festmahl auf der Insel Blåkulla – vermutlich die heutige Insel Blå Jungfrun, die seit dem Mittelalter als Treffpunkt von Hexen galt – gefeiert und die Hexen dazu eingeladen haben. Auch in Finnland gibt es einen ähnlichen Brauch: Am Palmsonntag ziehen dort als Hexen verkleidete Kinder, die "Virvonta", von Haus zu Haus, verteilen Weidenzweige und Segenssprüche und erhalten dafür Süßigkeiten. Der Brauch hat christlich-orthodoxe Wurzeln, die sich im Laufe der Zeit mit regionalen Traditionen vermischten.
Irland: Wo der Fisch zu Grabe getragen wird
Wer sich am Karsamstag oder Ostersonntag in Irland durch die Straßen bewegt, sollte sich nicht wundern, wenn ihm eine ungewöhnliche Prozession begegnet – angeführt von einem Fisch, genauer gesagt von einem Hering. Die Heringe werden an einen Stock gebunden, durch den Ort getragen, beschimpft und mit Stöcken zerschlagen. Die Überreste werden anschließend in einen See, Fluss oder ins Meer geworfen oder in der Erde vergraben. Der Brauch reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, wo während der Fastenzeit traditionell auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichtet wurde. Fisch, insbesondere Hering, galt in dieser Zeit als reichlich verfügbare und günstige Proteinquelle – doch nach 40 Tagen hatten die Gläubigen ihn gründlich satt. Den Fisch hat meistens der Metzger getragen, weil er durch den zurückgehenden Fleischkonsum während der Fastenzeit wirtschaftliche Einbußen hatte – und sich besonders auf die kommenden Feiertage freute. Mit dem "Heringsbegräbnis" feiern die Iren bis heute symbolisch das Ende der Fastenzeit.
