Schneller als angekündigt

"Jüngstes Gericht" in Sixtinischer Kapelle wieder in voller Pracht

Veröffentlicht am 30.03.2026 um 11:51 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Fünf Wochen lang war das wohl berühmteste Wandgemälde der Welt hinter einer Plane verborgen. Jetzt erstrahlt das "Jüngste Gericht" im Vatikan wieder frisch restauriert in dramatischem Eisblau und kraftvollen Kontrasten.

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Darauf haben Rom-Touristen seit Wochen gewartet: Michelangelos "Jüngstes Gericht" in der Sixtinischen Kapelle erstrahlt wieder in voller Farbenpracht. Das weltberühmte Wandgemälde wurde in knapp fünf Wochen restauriert und gereinigt – etwas schneller als zunächst von den Vatikanischen Museen angekündigt.

Damit ist es bereits deutlich vor Ostern von dem weißlichen Schleier befreit, der jahrelang die schillernden Farben und das kraftvolle Helldunkel der Komposition abschwächte. Laut Chef-Restaurator Paolo Violini verursachten Mikropartikel die Patina, die nun in einem speziellen Verfahren abgelöst wurde. Zuvor wurde das "Jüngste Gericht" detailliert untersucht und dokumentiert.

Michelangelo-Fresko "Juwel der Vatikan-Museen"

Während der gesamten Renovierung, die Anfang Februar mit dem Gerüstaufbau begann, blieb die Sixtinische Kapelle geöffnet; die Arbeiter waren hinter einer Plane verborgen, die das ikonische Wandgemälde zeigte. Es gehöre zur Mission der Vatikanischen Museen, eines ihrer wertvollsten Juwelen zu pflegen und zu erhalten, erklärte Direktorin Barbara Jatta: "Michelangelos Fresko, das mit dramatischer Intensität das Ende der Zeit darstellt." Die letzte Reinigung des 13,70 mal 12 Meter großen Freskos, das die gesamte Altarwand der Kapelle einnimmt, liegt rund 30 Jahre zurück.

Papst Clemens VII. hatte das Werk 1533 bei Michelangelo Buonarroti (1475–1564) für die Westwand der Sixtina in Auftrag gegeben. Begonnen wurde es jedoch erst unter Papst Paul III., der den Künstler zum leitenden Architekten, Bildhauer und Maler ernannte. Damit entband er Michelangelo von seiner vertraglichen Verpflichtung für das Grabmal von Papst Julius II. im Petersdom, so dass er sich ganz der Ausmalung der Kapelle widmen konnte.

Michelangelo begann damit im Sommer 1536 und vollendete das immense Werk mit seinen mehr als 300 Figuren im Herbst 1541. Das Gemälde, das Christus als Weltenrichter auf eisblauem Hintergrund zeigt, war in der Neuzeit oft Kulisse des Konklaves zur Wahl eines neuen Papstes – so auch bei der Wahl von Leo XIV. im Mai 2025. Die Sixtinische Kapelle gehört zum Rundgang durch die Vatikanischen Museen, die jährlich von mehreren Millionen Menschen besucht werden. (KNA)