AfD in Sachsen-Anhalt fordert alle Bistümer heraus

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Was passiert mit einem Bistum, wenn die AfD an die Macht kommt? Diese Frage stellt sich aktuell für den Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Anfang September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. In Umfragen liegt die AfD derzeit bei knapp 40 Prozent. Je nachdem, wie viele Parteien am Ende in den Landtag einziehen, käme die Partei damit gefährlich nah an eine absolute Mehrheit.
Seit Monaten mahnt Feige, dass es "mit freiheitlicher Demokratie, Pluralismus und Religionsfreiheit, wie wir sie kennen", bald vorbei sein könnte, sollte die AfD die Regierung stellen. Das ist weit mehr als eine Warnung. Es ist ein Hilferuf. Denn bei der anstehenden Landtagswahl geht es nicht allein um die politische Kultur, sondern um konkrete Folgen für die Kirche. Ihr sagt die AfD in Sachsen-Anhalt offen den Kampf an. Rund 20 Prozent des Haushalts des Bistums Magdeburg – knapp acht Millionen Euro – stammen aus Staatsleistungen. Ohne diese könnten Pfarreien, Schulen, Kitas oder soziale Angebote, die allen Bürgern zugutekommen, so kaum weitergeführt werden. "Für uns wären die Folgen existenziell", sagt Feige.
Die Bischofskonferenz hat auf der vergangenen Vollversammlung erneut ihre Position gegen völkischen Nationalismus und Rechtspopulismus betont. Doch die aktuelle strategische Frage ist damit nicht beantwortet: Was passiert, wenn eine AfD-Regierung durch disruptives Verwaltungshandeln Staatsleistungen und Fördergelder an die Kirche blockiert? Wie lässt sich dann die Arbeit von Pfarreien, Schulen und sozialen Einrichtungen sichern? Wie geht man damit um, wenn kirchliche Stimmen systematisch delegitimiert werden? Und wie kann man kirchliche Mitarbeitende schützen, die unter politischen Druck geraten?
Diese Fragen richten sich an alle deutschen Bistümer, deren Solidarität untereinander jetzt wichtiger denn je ist. Sind sie bereit, füreinander einzustehen? Werden gerade die finanziell starken Bistümer im Westen, falls nötig, finanziell einspringen? Der Weckruf aus Magdeburg richtet sich an die ganze Kirche. Es wird Zeit, Antworten auf diese Fragen zu finden.
Der Autor
Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident des Internationalen Katholischen Hilfswerkes missio Aachen und des Kindermissionswerkes "Die Sternsinger" in Aachen.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.