Görlitzer Bischof zu Gast in Warschau

Ipolt: Verhältnis zu polnischen Bischöfen hat sich normalisiert

Veröffentlicht am 17.03.2026 um 12:30 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Görlitz ‐ Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hat jüngst als Gast an der Vollversammlung der polnischen Bischöfe teilgenommen. Im Interview berichtet er über seine Eindrücke – und über das Verhältnis beider Bischofskonferenzen.

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Als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hat der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt in der vergangenen Woche an der Vollversammlung der Polnischen Bischofskonferenz in Warschau teilgenommen. Bei einem Studientag tauschten sich Bischöfe aus mehreren europäischen Ländern dort über die Zukunft der Pfarreien aus. Im katholisch.de-Interview spricht Ipolt über seine Eindrücke, das derzeitige Verhältnis zwischen deutschen und polnischen Bischöfen und den Zustand der Kirche im Land.

Frage: Bischof Ipolt, Sie haben als Vertreter der Deutsche Bischofskonferenz an der Vollversammlung der Polnische Bischofskonferenz in Warschau teilgenommen. Mit welchen Eindrücken sind Sie von dem Treffen zurückgekehrt?

Ipolt: Es war eine interessante Erfahrung. Die polnischen Bischöfe hatten nicht nur mich eingeladen, sondern aus mehreren europäischen Ländern jeweils einen Vertreter. Neben mir waren unter anderem auch der Bischof von Kopenhagen sowie Bischöfe aus dem Baltikum, aus Italien, Spanien, Ungarn und sogar der Ukraine dabei. Offenbar wollten die polnischen Mitbrüder bei dieser Vollversammlung bewusst auch eine Perspektive von außen einholen. Das fand ich bereichernd.

Frage: Bei bischöflichen Vollversammlungen ist eine Teilnahme von ausländischen Bischöfen die Ausnahme. Warum hatten die polnischen Bischöfe Sie und die anderen Bischöfe diesmal dazu gebeten?

Ipolt: Anlass war ein Studientag – so würden wir es in unserer Deutschen Bischofskonferenz jedenfalls nennen – zum Thema "Die Pfarrei der Zukunft". Hierzu sollten wir als Gäste unsere jeweiligen Perspektiven einbringen. An den weiteren regulären Beratungen der polnischen Bischöfe haben wir nicht teilgenommen.

Frage: Worum ging es bei dem Studientag konkret?

Ipolt: Zentraler Ausgangspunkt war die Frage, welche Herausforderungen in Zukunft auf die Pfarrgemeinden zukommen. Ich habe dazu ein kurzes Statement aus deutscher Perspektive abgegeben, auch die anderen europäischen Bischöfe haben ihre Sichtweise geschildert. Anschließend wurde in mehreren Arbeitsgruppen über konkrete Fragestellungen diskutiert. Dabei zeigte sich schnell, dass sich viele Probleme in den verschiedenen Ländern ähneln.

Frage: Sie haben in Ihrem Beitrag über Entwicklungen in den deutschen Bistümern gesprochen – unter anderem über Strukturreformen und die zunehmende Säkularisierung. Wie haben die anderen Bischöfe darauf reagiert?

Ipolt: Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Tadeusz Wojda, hat mir hinterher gesagt: "Das war sehr interessant, vielen Dank." Widerspruch gab es nicht. Ich habe recht offen beschrieben, welche Umstrukturierungen es in unseren Diözesen gibt, und habe auch Begriffe wie "Pastorale Räume" erklärt – also, was sich dahinter verbirgt und wie solche Strukturen bei uns funktionieren.

Ein Kruzifix liegt auf einer polnischen Flagge
Bild: ©adobestock/Hanna (Symbolbild)

"In meinen Gesprächen mit den polnischen Mitbrüdern habe ich gemerkt, dass sie durchaus manche Herausforderungen sehen, vor allem im Blick auf die Pfarreien und die Priester", so Bischof Ipolt zur aktuellen Lage der Kirche in Polen.

Frage: Welche Themen haben die anderen ausländischen Bischöfe angesprochen?

Ipolt: Ein Thema, das mehrfach zur Sprache kam, war zum Beispiel das synodale Miteinander in den Pfarreien. Viele Pfarrer tun sich offenbar schwer mit Gremienstrukturen, wie wir sie in Deutschland kennen – etwa mit dem Pfarreirat oder dem Kirchenvorstand. Ein zweites Thema, das angesprochen wurde, war die Katechese, also die Vorbereitung auf Ehe, Firmung oder Erstkommunion. Hier wurde offen gesagt, dass diese in vielen Fällen zu schwach sei und dass die Katecheten, Priester oder Ordensleute dafür nicht immer ausreichend ausgebildet sind. Diese Defizite wurden durchaus selbstkritisch benannt.

Frage: Blicken wir auf das deutsch-polnische Verhältnis: Die polnischen Bischöfe haben dem Synodalen Weg und den dort diskutierten Reformforderungen in den vergangenen Jahren sehr kritisch gegenübergestanden. Sind Sie in Warschau darauf angesprochen worden – oder auch auf die geplante Synodalkonferenz?

Ipolt: Nein, überhaupt nicht. Ich kenne einige polnische Bischöfe recht gut, und es gibt dort auch viele, die Deutsch sprechen. Aber dieses Thema kam nicht zur Sprache. Am Rande der Vollversammlung habe ich mich lediglich mit den drei polnischen Mitgliedern der Kontaktgruppe unserer beiden Bischofskonferenzen getroffen und die nächste Begegnung vorbereitet.

Frage: Wie würden Sie derzeit das Verhältnis zwischen beiden Bischofskonferenzen beschreiben? Sind die Spannungen aus der Zeit des Synodalen Wegs noch spürbar?

Ipolt: Ich persönlich habe davon nichts bemerkt. In beiden Bischofskonferenzen gibt es inzwischen neue Vorsitzende, und es sind mehrere jüngere Bischöfe neu hinzugekommen. Mein Eindruck ist, dass das Verhältnis sich normalisiert hat.

Frage: Die katholische Kirche in Polen galt gesellschaftlich und politisch lange als sehr einflussreich. Inzwischen wird aber auch dort eine zunehmende Säkularisierung und ein Vertrauensverlust in die Institution Kirche spürbar. Wie nehmen Sie die Situation der Kirche in Polen wahr?

Ipolt: In meinen Gesprächen mit den polnischen Mitbrüdern habe ich gemerkt, dass sie durchaus manche Herausforderungen sehen, vor allem im Blick auf die Pfarreien und die Priester. Es wurde mehrfach gesagt, dass manche Pfarrer den Nerv der Menschen nicht mehr richtig treffen. Auch die "Ars celebrandi", also die Art und Weise, Gottesdienste zu feiern, wurde als Schwachpunkt genannt. Gleichzeitig sind die Probleme zum Teil andere als bei uns. Die Missbrauchsfrage etwa spielt in Polen zwar auch eine Rolle, möglicherweise aber nicht in derselben Intensität wie bei uns Deutschland. Und weil es dort kein Kirchensteuersystem gibt, wird auch der Rückgang der Kirchenbindung weniger unmittelbar sichtbar.

Von Steffen Zimmermann