"Eine grauenvolle Darstellung"

Kardinal nennt Video des Weißen Hauses widerwärtig

Veröffentlicht am 10.03.2026 um 10:28 Uhr – Lesedauer: 

Washington ‐ Der Iran-Krieg als Ballerspiel? US-Kardinal Blase Cupich kritisiert ein Video des Weißen Hauses über Angriffe auf den Iran scharf. Darin werden echte Aufnahmen mit Szenen aus Actionfilmen gemischt.

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Als "widerwärtig" bewertet US-Kardinal Blase Cupich ein Video, das das Weiße Haus am Donnerstag auf seinem "X"-Account veröffentlicht hat. Darin werden Szenen aus beliebten Actionfilmen mit echten Aufnahmen der Angriffe auf den Iran gemischt. Es handele sich um "eine grauenvolle Darstellung", erklärte der Erzbischof von Chicago in einer am Wochenende veröffentlichten Stellungnahme. "Echter Krieg und echtes Leid" würden wie ein Videospiel behandelt. Die Distanz zwischen dem Schlachtfeld und dem Wohnzimmer verringere sich so drastisch.

Cupich sagte weiter, er wisse, dass das amerikanische Volk "besser ist als das": "Wir haben einen gesunden Menschenverstand, um zu erkennen, dass das, was geschieht, keine Unterhaltung, sondern Krieg ist; und dass der Iran eine Nation von Menschen ist und kein Videospiel, das andere spielen, um uns zu unterhalten", hielt Cupich fest. Die US-Regierung behandele das Leiden des iranischen Volkes "wie eine Kulisse für unsere eigene Unterhaltung, als wäre es nur ein weiterer Zeitvertreib, den man sich in der Schlange im Supermarkt ansieht", so Cupich.

"Tiefgreifendes moralisches Versagen"

In seiner auf der Website der Erzbistums Chicago veröffentlichten Stellungnahme mit dem Titel "Ein Appell an das Gewissen" (A Call to Conscience) spricht er von einem tiefgreifenden moralischen Versagen. Wer die schrecklichen Folgen des Krieges ignoriere, riskiere "das kostbarste Geschenk, das Gott uns gegeben hat: unsere Menschlichkeit".

Hunderte Menschen seien bereits tot; "Mütter und Väter, Töchter und Söhne, darunter dutzende Kinder, die den fatalen Fehler begangen haben, an diesem Tag zur Schule zu gehen", erinnerte der Kardinal an die Zerstörung einer Mädchenschule durch Raketen am ersten Kriegstag. Auch die bereits getöteten US-Soldaten würden durch derartige Social-Media-Beiträge entehrt. "Vergessen wir nicht, dass ein 'Treffer' nicht bedeutet, Punkte auf dem Spielstand zu sammeln; sondern eine trauernde Familie, deren Leid wir ignorieren, wenn wir Unterhaltung und Profit über Empathie stellen." (KNA)